Die Odyssee am Wolfgangsee

Ein Campingurlaub mit Pannen

Tja, wo fang ich an euch diese Geschichte zu erzählen? Am besten wird sein, ich schließe an die Geschichte unseres ersten Campingurlaubes an.

Der Urlaub am Attersee mit meiner Oma hat uns wirklich sehr gefallen und wir überlegten ein Jahr später, wo wir mit unserem Zelt und unserer Tochter Alexandra hinfahren könnten. Diesmal sollte es jedoch ein Urlaub ohne großmütterliches Anhängsel werden.

Mein Mann hatte sich im Vorfeld schon bei einigen Freunden und Arbeitskollegen schlau gemacht, was man so beim Campen verbessern könnte und wo gute und preiswerte Plätze in unserer Gegend zu finden sind. Zu weit wollten wir nicht wegfahren, da ich ja schon "ziemlich schwanger" war. (6 Monat) Ein Arbeitskollege hatte am Wolfgangsee einen Dauercampingplatz und schwärmte von der schönen Lage, den netten Platzbetreibern und so entschlossen wir uns, dorthin zu fahren.

Wir packelten also unseren Ford Cortina bis unters Dach voll. Die Alexandra thronte am Rücksitz, angeschnallt mit Hosenträgergurten, auf dem aufgestapelten Bettzeug, wie die Prinzessin auf der Erbse. Dachträger hatten wir in der Zwischenzeit auch erworben, damit wir alle unsere neu angeschafften Campingsachen transportieren konnten. Im Gegensatz zum Vorjahr bestand unsere Einrichtung schon aus einem Küchenkastl, 3 Liegen, 2 Tische und 3 Sesseln, Schlauchboot, ein neuer Griller, Kaffeemaschine, ein 2 Platten Gaskocher(ganz wichtig) und einem Haufen Geschirr, da wir unsere Weihnachts- und Geburtstagswunschzettel ganz auf Campingzubehör ausgerichtet hatten.

Als das Campingzeugs und die ganze Möblage aufgepackelt war, düsten wir bei herrlichem Juniwetter Richtung Bad Ischl. Nach Ebensee konnten wir dann wieder etwas schneller fahren, denn entlang des Traunsees gibts einige Tunnels und eine sehr kurvenreiche Straße, wo man nur langsam vorankommt. Doch komischerweise zog unser Cortina nicht richtig weg. Ich schob das aber auf die Urlaubsbeladung und dachte mir nichts dabei.

In Bad Ischl verfuhr ich mich wie üblich (das mach ich auch heute noch) und dann kamen wir auf die neueröffnete, begradigte Straße von Strobl nach St. Gilgen. Komisch, ich konnte einfach nicht schneller fahren. Ich trat das Gaspedal voll durch, checkte, ob die Handbremse nicht doch angezogen war, aber der Tacho zeigte kaum mehr als 50 Stundenkilometer. Mein Mann war noch ratloser als ich, denn er hatte von Autos gar keine Ahnung. Ich hatte zumindest schon mal in meinen Jugendjahren einen VW-Käfermotor zerlegt und wieder zusammengebaut und war ziemlich interessiert an den Innereien eines Autos gewesen. Ich hatte den Verdacht, daß die Kupplung schleift. Kein so großartiges Problem, dachte ich. Das können wir bestimmt in einer Werkstatt herrichten lassen, während wir beim Camping Eisl urlauben.

Nachdem es nicht mal mehr möglich war einen Traktor zu überholen, wenn die Sichtweite unter 4 km betrug zuckelten wir so einem Gefährt bis zu unserer Ausfahrt in Abersee hinterher. Wir fanden gleich zum Campingplatz und waren guter Dinge. Zuerst mal das Zelt aufstellen und über das Weitere wollten wir uns später Gedanken machen. Heimfahren konnten wir ja mit dem Vehikel eh nicht. Also was soll's!

Badeplatz vom Camping Eisl

Badeplatz vom Camping Eisl

Der Platz war ziemlich voll und es war schönes Juniwetter. Nicht zu heiß, aber schön sonnig und wir sahen den idealen Platz. In der Nähe vom Haupthaus, wo das kleine Geschäft und das Buffet untergebracht war. Zu den Sanitäranlagen war es auch nur ein paarmal Umfallen und das Beste für Zeltler, ....ein schöner, großer Laubbaum, der Schatten spendete. Wir dachten uns, "Glück muß man haben" und stellten unser Hauszelt auf diesen saftigen Wiesenplatz unter die Buche.

Am Abend war es geschafft, unser Zelt stand pipifein da. Wohnzimmer, Schlafzimmer und die Küche waren aufs Edelste eingerichtet und wir marschierten voll Tatendrang zum Strand, um noch bei den letzten Sonnenstrahlen ein bisserl im Wasser herumzupritscheln. Anschließend besuchten wir das Buffet, um den ersten Urlaubstag mit einer zünftigen Jause zu krönen. Das Ehepaar Eisl, die den Campingplatz besaßen, war recht freundlich und so erzählten wir ihnen gleich von unserer Autopanne. Herr Eisl meinte, er könnte uns einen Pfuscher besorgen, der sich das mal anschauen würde. Es war ja Freitag vor Pfingsten und alle Werkstätten noch mindestens bis Dienstag zu.

Echt, wir waren total erleichtert, daß sich anscheinend alles in Wohlgefallen auflöste und auch unser Budget nicht zu sehr strapaziert würde. Am nächsten Tag, Samstag, spazierten wir vormittags mit unserer Alexandra in den Ort, um für das lange Wochenende ein paar Kleinigkeiten einzukaufen. Kaum daß wir wieder bei unserem Zeltplatz ankamen, fing es an zu tröpfeln. Schwarze Wolkentürme hatten sich zusammengeschoben und Blitze zuckten ebenfalls schon über den Himmel. Ein Gewitter. Kein Problem, dachten wir. Das verzieht sich bald wieder.

Campingplatz Eisl

An der engsten Stelle des Wolfgangsees befindet sich der Campingplatz Eisl, direkt gegenüber ist St. Wolfgang mit dem berühmten "Weissen Rössl".

Es regnete, es regnete in Strömen, es regnete weiter, es regnete die ganze Nacht hindurch, und als wir am nächsten Morgen aus unserem Schlafzelt rauskrabbelten...

standen wir bis zu den Knöcheln im Wasser!

Na bravo! Jetzt wußten wir, warum der schöne Platz frei gewesen war. Unser Zelt stand in einer Mulde, die wir vorher nicht bemerkt hatten. Das ist eben das Lehrgeld, das man als Campinganfänger zahlen muß.

Die nächsten Tage verbrachten wir hauptsächlich im Buffet der Eisls. Der Mechaniker reparierte unterdessen unser Auto unter dem Vordach des Zeltes. Die Kupplung brauchte gottseidank nur nachgestellt werden und würde wohl wieder einige Zeit halten.

In diesen Tagen lernten wir auch durch unsere Tochter Alexandra ein älteres Ehepaar aus Bad Salzuflen kennen. Die "Goldhahns" erbarmten sich unser und luden uns zu sich ins Vorzelt vom Wohnwagen ein. Dort konnte gemütlich eingeheizt werden und auch im Wohnwagen war es wohlig warm. Im Zelt war alles feucht und klamm und saukalt war es ebenfalls. Nachdem das Auto gerichtet war, warteten wir nur noch auf einen regenfreien Tag, damit wir das Zelt trocken abbauen können.

Nach 10 Tagen Regenwetter hatten wir aber die Nase gestrichen voll. Die Einheimischen schüttelten ebenfalls bedauernd den Kopf und trauten sich keine positive Wetterprognose zu machen. Der Wolfgangsee ist rundherum von Bergen eingeschlossen und darin drehte sich ständig ein und dasselbe Gewitter herum. Keine Aussicht auf Besserung also, und so ersuchten wir die Goldhahns auf unsere Alexandra aufzupassen, und bauten im strömenden Regen unser Zelt ab.

Wir entfernten die Vorderwand unseres Hauszeltes und fuhren mit dem Kofferraum bis zum Schlafzelt heran. Gewand und Bettzeugs konnte so halbwegs trocken ins Auto eingeräumt werden. Die restliche Einrichtung, Lebensmittel und das Innenzelt stopften wir kurzerhand in den Kofferraum und die waschlnasse Außenplane schnallten wir auf die Dachträger.

Wir wollten nur noch nach Hause und als wir 20 km später durch Bad Ischl fuhren, strahlte wie zum Hohn die Sonne vom Himmel. Als unsere Nachbarn dann auch noch erzählten, daß sie jeden Tag im Attersee baden waren, weil so herrliches Wetter gewesen ist, da hätten wir am liebsten vor lauter Wut geheult.

Campingplatz und gegenüber St. Wolfgang

Trotzdem sind wir noch ein paar Jahre zum Campen an den Wolfgangsee gefahren, auch wenn es oft nur ein paar Tage waren um die netten Deutschen aus Bad Salzuflen zu besuchen.

Jedenfalls haben wir eins gelernt:

Stell dein Zelt nie an einem Platz auf, der noch unbenützt ausschaut.

Überlege zuerst, warum er noch frei sein könnte. :-)

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