5-sprossen-leiter

Am schönsten ist das Gleichgewicht,
kurz bevors zusammenbricht...
Camperweisheit

 


Die Karriereleiter für Camper

Eine 5-sprossige Geschichte

zusammengesponnen
von Heidi Herzog

 

(Hier zuerst der Text der ganzen Geschichte)

Zur Einweihung des roten Hauses von Waltraud und Gottfried Pokorny aus Wien möcht ich euch eine kleine Geschichte erzählen. Einerseits über den Werdegang eines Campers im allgemeinen und andererseits über die 5-Stufen-Karriere der Pokorny's im besonderen.

Meine Überlegungen gingen davon aus, dass Waltraud und Gottfried die Camperei auch von der Pike auf lernen mussten und nicht schon von den Eltern mit dem Camperleben konfrontiert wurden.

Es kann sein, dass ich damit vollkommen daneben liege, aber falls ich recht habe, dann könnte sich das so zugetragen haben.

 

Die erste Sprosse

Was ich weiss haben Waltraud und Gottfried genauso angefangen wie 1000e Camper vor ihnen. Anfangs ist es meist eine Geldfrage, dass man sich zum Campingurlaub entschliesst. Man ist jung, dumm und gefrässig, in der Haushaltskasse herrscht Ebbe, aber der Wunsch nach ein bisschen Tapentenwechsel ist gross.

Zuerst hat man ein kleines Steilwand- oder Hauszelt, wo man die Decken und Polster aus dem eigenen Schlafzimmer auf den Boden schmeisst. Manche nannten sogar schon Luftmatratzen ihr eigen. Meine Oma sagte dazu "Gummistrohsack", weil ihr der Name nicht eingefallen ist.

Ein kleiner Gaskocher oder ein Holzkohlengriller gehörte zur Standardausrüstung. Ein paar Häferl, Besteck und Teller komplettierten die Erstausstattung der Neo-Camper.

Eine Taschenlampe wurde noch mitgenommen, ein Campingsessel und ein Tischerl konnte meistens in der Verwandtschaft ausgeborgt werden oder fand sich noch in irgendeinem Kellerabteil. Praktisch der halbe Hausstand eines jungverheirateten Paares quetschte sich in den fahrbaren Familienuntersatz und ab gings in den ersten Camping-Urlaub.

Aller Anfang ist schwer

Die meisten Erstcamper blieben zuerst im eigenen Land, nur Mutige machten sich gleich auf den Weg nach Süden ins benachbarte Ausland. Ganz egal wohin die Reise eines jungen Pärchens ging, dieser erste Campingversuch entschied eigentlich immer, ob jemand ein Camper-Gen hat oder nicht.

Camping kann man nur bedingt lernen, ich glaub, dass man zum Camper geboren wird. Die Freude über die Freiheit muss die Unannehmlichkeiten überwiegen, die unweigerlich jeden "Jungcamper" befallen.

Es darf einem nichts ausmachen, wenn man bei Regen und Sturm zitternd vor Kälte im Zelt hockt, in das auch so manches Getier wie Ameisen, Gelsen oder Spinnen Zuflucht gesucht haben.

Wem hat nicht schon ein Ameisengeschwader die Frühstücksmarmelade weggefressen, oder wer ist nicht knöcheltief im Wasser gestanden nach einem Platzregen?

Man lernt notgedrungen das meiste in den Anfängen der Camperkarriere über die Standplatzwahl und über das "saubere" Arbeiten mit Lebensmitteln. Aber man lernt auch die sprichwörtliche Hilfsbereitschaft, den Zusammenhalt bei Problemen, die Rücksichtnahme und die Respektierung der Privatshäre der anderen Camper kennen.

Beim ersten Campingurlaub beginnt auch die natürliche Auslese, wer sich zu einem richtigen Camper eignet. Für Zicken und Paschas ist hier der Zug schon abgefahren. Arbeitsteilung wird grossgeschrieben. Zum Beispiel, wenn der Eine kocht ist der Andere für den Abwasch zuständig. Egal ob Männlein oder Weiblein, man macht alles miteinander und jeder kann eigentlich fast alles. Das ist wie ein ungeschriebes Gesetz und gehört zum Camperleben dazu.

Wem das gefällt, der hat nun die erste Stufe der Camperkarriere erfolgreich überwunden und ist mit dem Camper-Virus infisziert.

Die zweite Sprosse

Nach einigen Jahren, die man urlaubsmässig im Zelt (Dosen kochend und am Boden schlafend) verbracht hat, kommt nun der Zeitpunkt die zweite Stufe der Camperkarriere zu erklimmen.

Man hat auch schon einige kleine Hotelurlaube hinter sich, aber Camping bleibt trotzdem die favorisierte Urlaubsform. Nur ein bisserl mehr Komfort wünscht man sich und träumt davon, nicht mehr am Boden schlafen zu müssen. Die Rumkraxlerei auf den Knien muss ein Ende haben.

Mittlerweile hat sich die Finanzlage auch ein wenig gebessert -

...ein Combi-Camp muss her...

Man gehört ja nicht mehr zu den Jungcampern, sondern zu der fortgeschrittenen Klasse, die sich mit Imprägnierungen, Sturmabspannungen, richtiger Standortwahl, Auf- und Abbautechnik und dergleichen, auskennt.

Camper Träumereien

Endlich auf richtigen Matratzen einen halben Meter über dem Boden zu liegen, das war für mich damals der Inbegriff von Komfort. Ich denke, das ging allen so, die von der Pike auf zum Campen angefangen haben. Der Hausrat hat sich in den Jahren ebenfalls vervielfacht und ist mit vielen nützlichen Dingen erweitert worden. Die Taschenlampe hatte zwar noch nicht ganz ausgedient, ist aber mit einem Gaslicht erweitert worden.

Geschirr und Gläser, Besteck, Pfannen und Häferl hatte man in doppelter Ausführung und es mussten nicht jedesmal die Küchenkastln leergeräumt werden, wenn man in Urlaub fuhr. Tupperware-Beraterinnen haben sich deshalb auch über jeden neuen Camper gefreut, denn diese Plastikdosen haben sich bei der platzsparenden Lebensmittelaufbewahrung bewährt.

Zu dieser Zeit änderte sich auf den Campingplätzen viel. Fast überall gabs schon Stromanschlüsse und die Gasgeräte wurden sicherheitshalber noch mitgeführt. Für alle Eventualitäten hat man sich halt ausgerüstet.

Manche Männer haben sich in diesen Camper-Jahren zu wahren "MacGyvers" entwickelt. Ersatz-Spannschnüre, Glühbirnen, Gasstrümpfe, Heringe, Stangen, Plastikplanen, Werkzeuge, meterlange Stromkabel, Verteilersteckdosen, Ampere-Sicherungen, Gardenaanschlüsse, Wasserschläuche, Pickzeug, Gummiringe und was weiss ich noch alles hat sich in den diversen Werkzeugkisten angesammelt.

Natürlich ist ein Camper bestrebt sein mobiles Heim zu verbessern und komfortabler zu machen. Auf dieser zweiten Stufe der Camperkarriereleiter liebäugelt man schon mit den Wohnwagen. Man braucht Stauraum für sein angesammeltes Graffl. Man wird älter und lärmempfindlicher und sehnt sich nach Fenstern, die man bei Bedarf schliessen kann.

Regen beim Abbauen ist der grösste Schrecken eines Combi-Campers, wenn man das waschlnasse Zelt auf sein geliebtes Hochbett legen muss, um den Deckel zuzukriegen. Man will auch den Arbeitsaufwand beim Aufstellen und Abbauen minimieren und so träumt man von einem Zigeunerwagerl. In der Regel geht dieser Traum recht schnell in Erfüllung, weil einerseits auf den Campingplätzen ein reger Tauschhandel betrieben wird und andererseits hat man in einigen Jahren Camperleben gewisse Connections aufgebaut.

Die dritte Sprosse

Mit dem Wohnwagenkauf ist somit die dritte Stufe in der Camperkarriere erklommen.

In dieser Phase entscheidet sich meistens, ob man eher ein sesshafter oder fahrender Campertyp ist. In den meisten Fällen gibts schon einen Lieblingscampingplatz den man ansteuert und Urlaubsbekanntschaften, die man gerne wiedertrifft. Vielfach haben sich richtige Freundschaften entwickelt, wo man auch unterm Jahr Kontakt hält. Dieser Freundeskreis ist manchmal sehr entscheidend wie die Camperkarriere weiter verläuft.

Einige hängen ihren Wohnwagen jedes freie Wochenende ans Auto und schauen sich die Gegend an. Meist wird dann in der Haupturlaubszeit eine mehrwöchige Tour geplant, um soviel wie möglich zu sehen. Für den fahrenden Campertyp ist ein Wohnmobil noch besser geeignet, aber das entscheidet natürlich die Füllung der Geldtasche.

Andere leisten sich für den Sommer einen Dauerstandplatz, um ganz schnell in die erholsame Phase zu kommen und fahren im Winter auf Campingplätze bei Thermen oder Schipisten. Nur eines haben alle Campertypen gemeinsam. Jeder möchte soviele Tage wie möglich seiner Camperleidenschaft frönen.

Camper sind ja bekanntlich ein eigenes Völkchen und grundsätzlich teilen alle irgendwie dieselben Ansichten und Eigenschaften. Dabei ist es ganz egal, ob man Textil- oder FKK-Camper ist. Der einzige Unterschied ist, dass FKKler weniger Zwängen unterliegen und deshalb freier und noch toleranter sind. Mich hat das immer fasziniert. Es gibt sowas wie einen geheimen Ehrenkodex, an den sich alle halten. Ähnlich wie bei den Musketieren.

Einer für Alle - Alle für einen!

 

Die vierte Sprosse

Camper sind auch irgendwie Perfektionisten und wollen, dass ihre Träume in Erfüllung gehen. Schuld daran ist das Camper-Gen, das ständig danach trachtet, dass man so lang wie möglich auf einem Campingplatz bleiben kann.

Und so kommen wir zur vierten Stufe der Camperkarriereleiter, dem Ganzjahresstandplatz.

Jetzt kommen wir von der Vergangenheit in die Gegenwart. Wir, die neuen Lido-Camper, arbeiteten emsig um unseren "Zweitwohnsitz" gemütlich und winterfest herzurichten. Noch mehr Freude daran haben wir, weil wir unseren Traum Zwangsverwirklichen mussten.

Rückblickend gesehen haben uns die italienischen Betreiber in Kazela einen Riesengefallen getan. Ohne diesen Frust über ihre Abzockermethoden hätten wir noch jahrelang nicht die absolut hohe Stufe der Camperkarriereleiter erreicht.

Genauso erging es Waltraud und Gottfried, doch die Beiden haben die vierte Stufe der Camperkarriereleiter übersprungen und sind gleich auf die oberste Stufe geklettert. Sie sind nicht nur Ganzjahrescamper geworden, sondern haben sich ein "rotes Häuschen" mit viel Liebe geplant und als Zweitwohnsitz aufstellen lassen.

Den ganzen Sommer haben sie gewerkelt. Terrasse, Sitzplatz und Carport aufgestellt, Gehwege und die Grünanlage wunderschön dekoriert und angelegt.

Und nun sitzen wir gemütlich mit ihnen hier in dieser idyllischen Umgebung und wollen dieses Häuschen einweihen.

Die fünfte Sprosse

Dabei muss ich gestehen, dass ich ein bisserl Bauchweh hatte, als in der Karwoche der Tieflader das rote Domizil in unserer Nachbarschaft aufstellte. Wir hatten nur die Information, dass ein Wiener Ehepaar die Besitzer dieses feudalen Mobilhomes sein sollten. Meinereiner, der eh schon Mobilhomegeschädigt von Kazela ausgewandert ist, fotografierte natürlich dieses Ereignis.

Ich unterhielt mich dabei mit ein paar Lidocampern und Zuschauern. Eine rothaarige Frau erzählte mir, dass sie auch aus Istrien vom Campingplatz Funtana abgewandert sind. Nachdem ich ja mein Herz auf der Zunge trage, erzählte ich gleich dieser netten Rothaarigen meine Befürchtungen über diese "Wiener Hausbesitzer".

Sie zuckte a bissl zusammen und fragte nach, warum ich ein so schlechtes Gefühl bei Mobilheimen habe. Ich erklärte ihr, dass ich in Kazela die Erfahrung gemacht habe, dass Mobilheimurlauber durchwegs ehemalige Hotelgäste und keine Camper sind und dass es dadurch oft zu Problemen gekommen ist. Sie sagt: "Ja das stimmt schon mit den Mobilheimurlaubern, aber das rote Häuschen gehört ja mir!" Naja, nach dieser Aussage ist uns beiden ein grosser Stein runtergefallen.

Wir "Auswanderer" freuen uns deshalb ganz riesig, dass wir so nette Nachbarn in der roten Villa bekommen haben. Wir haben an Waltraud und Gottfried beobachten können, dass das Camper-Gen erhalten geblieben ist, auch wenn sie jetzt in einem Haus wohnen.

Wir wünschen euch, Waltraud und Gottfried, viele schöne Jahre im Lido, ein angenehmes Miteinander unter den Camperfreunden und eine glückliche Zeit in der

"Villa Walfried"

So schaute dann das fertige Album aus:

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Copyright: Heidi-Medulinka Herzog

http://www.medulinka.at/

 

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