Unser erster Urlaub mit beiden Enkelkindern

Oma und Opa werden ist nicht schwer,
Oma und Opa sein dagegen sehr!

Auszug aus Medulinka's Urlaubstagebuch

Am Donnerstag, den 22. Juli 2004 sind wir um 2 Uhr früh nach Medulin gefahren, um unsere beiden Enkel, Raphael, 4 Jahre, und Tamara, 2 1/2 Jahre, von deren Eltern zu übernehmen. Meine Tochter Alexandra, Schwiegersohn Jürgen und die beiden Kinder hatten 2 Wochen in unserem Wohnwagen verbracht und es war abgesprochen, daß wir Raphael und Tamara weitere 3 Wochen Urlaub am Meer ermöglichen.

Raphael und Tamara bei der Hochzeit ihrer Eltern im Juni 2004

Soweit, so gut. Mein Mann und ich freuten uns schon drauf die Enkel mal für uns alleine zu haben und mit ihnen etwas zu unternehmen. Bis auf kurzes Geschrei von Raphael, als seine Eltern abfuhren, war alles planmäßig verlaufen. Hannelore und Günther aus Kärnten, mit ihren Kindern Matthias und Markus, waren ebenfalls mit uns eingetroffen und da Markus und Raphael schon im Vorjahr ein Herz und eine Seele waren, hielt sich der Abschiedsschmerz in Grenzen.

Günther, Matthias, Hannelore und Markus

Unglücklicherweise hatte ich noch Schmerzen, da ich mir am Vortag noch ein Weisheitszahn gezogen wurde. Außerdem war das Wetter heiß und der starke Wind machte uns allen zu schaffen. Raphael war total schwierig. Er schrie ständig bei jeder Kleinigkeit und sagte und tat immer genau das Gegenteil von dem, was man gerade von ihm verlangte.

Raphael ist total beleidigt, besonders weil ich ihn fotografiert habe.

Tamara hingegen war geradezu ein pflegeleichtes Gegenstück zu ihrem Bruder, sonst hätte ich womöglich durchgedreht.

Tamara ist immer relaxed

Die Fahrt, der Stress, Einräumen, Umräumen auf meine Bedürfnisse und das Gequengel von zwei Kleinkindern hatte mir bis zum Abend den letzten Nerv gezogen, sodaß ich mich heulend ins Bett verkroch.

Die nächsten drei Tage waren für meinen Mann und mich eine Erfahrung, was es heißt "wieder" Kinder zu haben. Ständig wollte einer was. Kaum hatte man sich seufzend hingesetzt, war schon wieder ein Hintern auszuwischen, das Topferl auszuleeren, Streit zu schlichten, Saft herzurichten und ein Essen zu kochen, das vor allem in Raphaels Augen Gnade fand. Die Zeit verging wie im Flug und am Abend fielen wir hundemüde mit den Kindern ins Bett.

Am Montag war es dann soweit. Der Wohnwagen war wieder so eingerichtet, daß sich alles an seinem angestammten Platz befand, und mit den Kindern hatte sich ein annehmbarer Tagesablauf eingespielt. Alle Kinder unterhielten sich meistens ohne gröbere Streitereien miteinander. Die Linzer mit ihren 3 Mädchen, die schräg ober uns standen, hätte ich jetzt bald vergessen zu erwähnen. Auch sie gehörten zu dem Kinderpulk rund um uns.

Ulli und Günther mit ihren Mädchen. Anita, die älteste, dann Birgit und das Nesthäkchen Michaela.

Mein Mann und ich freuten uns, daß jetzt doch vielleicht ein wenig Urlaubsgefühl aufkommen würde und wir die Zeit finden, unsere Camperfreunde, die mittlerweile eingetroffen waren, besuchen können.

Doch im Nachbarwohnwagen bahnte sich bereits Unheil an. Elisabeth's Enkelkinder, Adrian und Celina, die mit ihrem Papa Stefan Urlaub machten, hatten Probleme.

Celina im Vordergrund, Tamara  und im Hintergrund Stefan und Adrian

Adrian erbrach alles, was man ihm einflößte. auch über Kopfschmerzen jammerte der Kleine und sogar Wasser spuckt er postwendend in eine Schüssel. Ich brachte Stefan "Mexalen" Zäpfchen und Adrian schlief zumindest mal 3 Stunden. Als er aufwachte hatte er immer noch Kopfschmerzen und erbrach sich ständig. Auch Hannelore brachte Tropfen, die das Kotzen verhindern sollen, doch es half alles nichts. Bis 4 Uhr früh hatte Stefan alle Hände voll zu tun, die angespuckte Bettwäsche auszuwechseln.

Es ist wohl besser einen Doktor aufzusuchen und mein Mann fährt Stefan, Adrian und Celina nach Pula zum Kinderarzt. Mittags kommt er mit Celina zurück und überbringt die Nachricht, daß Adrian vermutlich Meningitis(Gehirnhautentzündung) hat und diese Diagnose im Krankenhaus Pula abgesichert werden muß.

Während Raphael, Tamara und ich unser Mittagsschläfchen halten, spaziert Hermann mit Celina ins Bilina, wo die Kleine eine Portion Spaghetti verdrückt. Anschließend schläft sie selig auf seinem Schoß in unserem Vorzelt ein und wir legten sie dann in unseren Wohnwagen, wo sie dann noch 3 Stunden weiterschlief. Das kleine Mädchen war ebenfalls vollkommen fertig von den Ereignissen der vergangenen Nacht.

Inzwischen rief Stefan an und erklärte mir, daß er auf Adrians Untersuchungsergebnis warten muß. Dem Kleinen war Rückenmarksflüssigkeit abgenommen worden und es sollte ca. 3 Stunden dauern bis die Auswertung abgechlossen ist. Stefan versuchte auch so schnell als möglich einen Rückholflug über den ADAC zu organisieren.

Als um halb sechs Uhr abends noch immer kein Ergebnis vorlag, beschlossen Hermann und ich mit den drei Kindern ins Bilina zum Essen zu gehen. Kaum daß wir unsere Getränke bestellt hatten läutete aber das Telefon und Stefan bat Hermann ihm einige Dinge zu besorgen und ins Krankenhaus zu kommen.

Jetzt saß ich ganz alleine da mit den drei Rabauken und hatte alle Hände voll zu tun. Milos half mir dann die Wiener Schnitzel klein zu schneiden und Ketchup kunstgerecht auf den Pommes zu verteilen. Irgendwie kam ich gar nicht richtig dazu mein Gulasch zu essen, ständig mußte ich fast umstürzende Limogläser retten, Ketchup nachliefern, hinuntergefallenes Besteck aufheben und unzählige dringende Fragen beantworten.

Tamara meinte plötzlich: "Oma, ich muß lulu!" Raphael mußte natürlich auch und ich sah abschätzend auf Celina runter, ob ich sie wohl alleine sitzenlassen könnte, oder ob es wohl besser wäre, sie mit auf die Toilette zu nehmen. Hmmmm.........
Da zupfte Celina mich am Ärmel und flüsterte mir laut ins Ohr(weil Omas hören ja nicht mehr so gut): "Du, Oma,(der Einfachheit halber nannte sie mich auch Oma)ist 'lulu' sowas wie 'pullern'?" - "Ja das ist dasselbe." - Okay, dann muß ich auch 'lulu'.
Wir wanderten also alle vier auf die Toilette und als Celina ihr Geschäft verrichtete verkündete sie uns noch, daß sie auch 'kackern' mußte. Das war vielleicht ein Spaß für meine Enkel. Gleich zwei Worte aus dem fernen Berlin gelernt und am Tisch kicherten alle und probierten die neuen Wortkombinationen lauthals aus.
Kurze Zeit später stand Tamara vor mir und sagte: "Oma, i muaß pullern!" Ich geh mit ihr natürlich gleich und kurz vor dem Ziel grinst sie und sagt: "I muaß eh net!" Das war wohl nur ein Test, ob das Wort funktioniert und ich bin drauf reingefallen. :-(

Anschließend machte ich mich mit meiner "Herde" auf den Rückweg zum Wohnwagen und schaltete ausnahmsweise mal den "Babysitter" ein. Gottseidank lief gerade ein uralter "Superman" Film, der ein wenig für Ruhe sorgte. Hermann nächtigte dann mit Celina im Nachbarwohnwagen, da ich mir drei Flöhe in einem Bett nicht antun wollte. Da wäre es wohl nie ruhig geworden.

Drei in einem Bett wären wohl  einer zuviel gewesen.

Die Krankenrückholung, wie sich Stefan das vorgestellt hatte, funktionierte leider nicht, doch die gute Nachricht, daß es sich nicht um eine bakterielle Meningitis, die hochgradig ansteckend gewesen wäre, sondern "nur" um eine viruelle Infektion handelt, ließ uns erleichtert aufatmen.
Wir hatten schon beschlossen ins Auto zu springen und an die österreichische Grenze zu fahren, falls unsere Enkel Symptome zeigen würden. Das Pulakrankenhaus wollten wir uns auf keinen Fall antun, obwohl die ärztliche Versorgung in Ordnung gewesen ist, wie sich im nachhinein herausgestellt hat. Das Krankenhaus bestand aus lauter kleinen Baracken, in der die verschiedenen Abteilungen untergebracht waren. Irgendwie sieht es aus wie 1945 nach dem Krieg. Die Fensterläden hängen in den Angeln, der Rolladen in Adrians Zimmer hing kaputt herunter und als Waschgelegenheit diente eine alte Kinderbadewanne mit einem Gartenschlauch als Abflußrohr. Naja..........

Die besagte Waschgelegenheit

Ziemlich feucht in Adrians Zimmer...

Fensterläden, Rolläden und vor allem der vollkommen verrostete Heizkörper.......ziemlich "kroatisch" würde ich sagen

Hannelore half mir in den nächsten Tagen sehr. Wir wuschen die Bettwäsche und die Handtücher, die Adrian vollgespuckt hatte und sie lud auch mal die Kinder auf Nudelsuppe ein, damit ich in Ruhe die Betten überziehen konnte.

Hannelore, die gute Seele...

Celina war wirklich ein braves Mädchen. Sie schlief und aß immer brav, doch ihr Papa und ihr Bruder fehlten ihr jeden Tag mehr. Sie wollte ständig auf meinem Schoß sitzen, was natürlich Tamara eifersüchtig beobachtete. Das ist nämlich ihr Stammsitzplatz und sogar Raphael wollte nun auch auf mir sitzen. Zeitweise kuschelten alle drei auf mir. Es war zwar ziemlich eng und unbequem, aber trotzdem schön, drei so kleine Racker im Arm zu halten.

Am Donnerstag nachmittag war es dann soweit. Mein Mann konnte Stefan und Adrian aus dem Krankenhaus abholen und für Freitag früh war es ihm gelungen einen Flug nach Berlin zu ergattern. Die Linzer mit ihren drei Mädchen traten ebenfalls um 6 Uhr früh die Heimreise an und als wir dann um 9 Uhr, bei ungewohnter Stille rundherum, beim Frühstück saßen, sagte mein Enkel Raphael ganz ernst: "Gell Oma, jetzt ist Urlaub!"

Und so wars dann auch. Der Urlaub mit den Enkelkindern war zwar ungewohnt und anstrengend, doch so ein schönes Gefühl der Zusammengehörigkeit hätten wir zuhause nie erreichen können. Mein Mann und ich haben es richtig genossen und ich glaub, Raphael und Tamara auch.

Mein Sonnenblumengarten am 7. August 2004