Medulin, die Perle Istriens

karte

Ganz an der Südspitze Istriens, 10 km südlich von Pula, befindet sich Medulin. Ich war 1962 das erstemal mit meiner Oma in diesem kleinen Ort und die Beschreibung meiner damaligen Fahrt kannst du auf meiner Geschichtenseite nachlesen.

Seither hat sich vieles verändert, manches zum Guten, doch einiges Schöne ist dem Touristenstrom zum Opfer gefallen.

Das Medulin von damals und heute in Wort und Bild beschreibe ich dir hier. Natürlich, wie immer, aus meiner Sicht und ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Medulin 1962 - 1972

Zuerst einmal ein Bild aus der damaligen Zeit, damit du dir diesen Ort besser vorstellen kannst.

sandstrandbucht

Dieses Bild wurde von der äußeren Halbinsel, die schon damals Campingplatz war, aufgenommen.

Zum Vergleich nun ein Foto, das von der Meduliner Kirche Richtung Campinghalbinsel zeigt.

überblick alt

Ich glaube, man kann gut erkennen, daß es außer dem Meer, ein paar Häusern, der Kirche, Pinienwäldern und Wiesenflächen nicht viel gab. Doch für mich war es jedes Jahr ein Abenteuer.

Wir wohnten bei Freunden meiner Oma, Martha und Milan Grakalic, die sich dieses Häuschen als Sommerdomizil gebaut hatten. Gleich im ersten Urlaub lernte ich schwimmen und soviel Kroatisch, daß ich alleine in die Bäckerei im Ort einkaufen gehen durfte. Auch auf der Campinghalbinsel gab es ein kleines Geschäft mit allem möglichen Krimskrams. Für mich war nur das Eis wichtig, das es dort zu kaufen gab.

Im Pinienwald standen jedes Jahr ein paar Zeltchen, Franzosen, ein paar Deutsche und Österreicher. Rucksacktouristen und Camper, die diese Form der Freizeitgestaltung noch zelebrierten. Mich hat das damals schon fasziniert und mich mit den Kindern angefreundet. Wir sind dann gemeinsam am Lagerfeuer gesessen oder haben Sandburgen gebaut, Seeigel, Seesterne und Muscheln aus dem Wasser gefischt und da war es ganz egal, ob wir dieselbe Muttersprache hatten oder nicht. Wir haben uns sehr gut verstanden.

bucht

Auf dem Campingplatzareal gab es damals auch eine sogenannte "Kinderkolonie". Aus vielen Ländern Europas wohnten dort Kinder, die auf Erholung geschickt wurden.

Vor ein paar Wochen erzählte mir der Milorad, Securitymann von Kazela, daß ein gebürtiger Schwede, der vor 20 Jahren nach Australien ausgewandert ist, im Mai auf Besuch in Medulin war. Er suchte die Kinderkolonie, konnte aber die Stätten seiner Jugend nicht mehr finden.

Teilweise wurden die Häuser abgerissen, ein paar sind dem Verfall preisgegeben und nur einige werden heute als Bootseinstellplätze genutzt.

kinderkoloniekinderkoloniekinderkolonie

Im Laufe der Jahre wurde Medulin immer mehr von Touristen entdeckt. Hauptsächlich österreichische Gäste bevölkerten in den Sommermonaten den Ort, doch der Großteil des Urlaubslebens fand immer schon am Campingplatz statt.

.zweite insel

Die Baumstämme, über die man in den Jahren vorher auf die kleine Insel klettern mußte, wurden mit einer Aufschüttung ersetzt. Jetzt war es sogar möglich mit einem kleinen Auto auf die äußerste Halbinselspitze zu gelangen..

1972 war ich also das letzte Mal in Medulin und hatte nur wunderschöne Erinnerungen an diesen kleinen Ort.

1988, 16 Jahre später, machten mein Mann, meine Kinder und ich Campingurlaub in Porec. Nachdem Porec nur 50 km von Medulin entfernt ist, wollte ich unbedingt den Urlaubsort aus meinen Kindertagen wiedersehen. Schon bei der Hinfahrt schwelgte ich in Erinnerungen, und als ich dann von Weitem die weißen Zwillingstürme der Meduliner Kirche sah, hatte ich irgendwie das Gefühl "heimzukommen".

In meinen Erinnerungen war ja die Zeit stehengeblieben und als wir in den Ort reinfuhren, mußte ich mich an den Hinweisschildern zum Campingplatz orientieren. Ich war wie vor den Kopf geschlagen und total sprachlos, was mir ganz selten passiert.

Schon allein die Tatsache, daß das Meer nicht mehr bis an die Straße heranreichte, warf meine Orientierung vollkommen über den Haufen. Ich versuchte das Haus der Familie Grakalic zu finden, was mir erst nach langer Suche gelang. Das Haus war vollkommen zugewachsen und umringt von immens hohen Pinien. Dem Meer waren beiderseits sicherlich 100 Meter an Strand durch Aufschüttungen abgerungen worden. Direkt vor dem Häuschen ist ein großer Vergnügungspark entstanden, mit Autodrom, Schaukeln und allem, was so dazugehört. Eine riesige Disco, der "Summernightclub" direkt am Eingang zum Autocamp und entlang der Straße jede Menge Verkaufsstandel, wo Zigeuner und Einheimische ihre Waren verkauften.
Aber das Schlimmste war in meinen Augen ein riesiger Betonbunker, namens Hotel Medulin. Der verschandelte meiner Meinung nach die Sandstrandbucht total. Noch zwei andere Hotels entdeckte ich dann entlang der Bucht. Das "Hotel Belvedere" und das "Hotel Mutila". Die beiden sind mir zuerst gar nicht aufgefallen, da sie im istrianischen Stil gebaut waren und sich besser in die Landschaft integrierten.

Hier kannst du dir das Panoramabild der Sandstrandbucht zwischen den Hotels und dem Autocamp Medulin anschauen.

Ein Wahnsinn, was sich in den Jahren getan hatte und ehrlich gesagt konnte ich nicht behaupten, daß mir das gut gefiel. Leider war die Zeit nicht stehengeblieben.

Doch "Meduliner Luft" schnuppern reichte für den Entschluß, daß unser nächster Campingurlaub hier stattfinden würde. Das sollte aber dann noch einige Jahre dauern, da der unselige Jugoslawienkrieg im Jahr darauf ausbrach.

1996 war es dann soweit. Zusammen mit Linzer Freunden fuhren wir ins Autocamp Medulin. Es stand ja nicht fest, wo wir unsere Zelte aufschlagen würden, als wir von zuhause abfuhren. Nur ich hatte mir "mein Medulin" in den Kopf gesetzt, die anderen wussten noch nichts von ihrem Glück. Wir schauten uns das Camp Funtana und das Camp Valkanela in Vrsar an, aber ich hab alles madig gemacht. Hanglage, zuviele Stiegen und so weit weg vom Wasser, unmöglich einen Zeltanhänger aufzustellen, waren meine Argumente für den einen Platz. Der andere Platz war mir zu überfüllt und sowieso kein schöner Platz zu finden sein würde. Mein Mann hatte mich mittlerweile schon durchschaut und flüsterte mir zu: "Gell, du willst nach Medulin?" - Tja, da wars dann nicht mehr schwer auch unsere Linzer zu überzeugen, dass Medulin den optimalen Campingplatz für uns hat.

Das Autocamp

Ich war selig, konnte ich doch jetzt in aller Ruhe alle Stätten besuchen, die mir aus Kindertagen bekannt waren. So viel Neues gab es zu sehen. Der Campingplatz war noch nicht sehr voll nach dem Krieg. Viele hatten noch Bedenken nach Kroatien zu fahren, oder hatten sich während der Kriegsjahre an andere Urlaubsziele gewöhnt. 3000 Personen waren damals im Juli 1996 im Autocamp gemeldet. 8000 Camper sind früher zu Spitzenzeiten auf den zwei Halbinseln vor Medulin gewesen.

Auffallend war, dass sich in allen Lokalen und Geschäften die Bedienung stark verbessert hatte im Vergleich zu "Jugoslawienzeiten", aber die Versorgung klappte noch nicht so. Der Fleischhauer am Platz öffnete beispielsweise nur einmal in der Woche sein Geschäft und es war nicht sicher, ob man den Speiseplan von Koteletts auf Hendlhaxln umstellen musste. Ausserdem gabs Fleisch nur solange der Vorrat reichte. Nach 2 Stunden war meistens ausverkauft und die Fleischhauerei wieder geschlossen. Verhungern musste zwar niemand, ein flexibler Speiseplan war aber empfhelenswert.

Und es war laut geworden in Medulin. überall herrschte eine laute Fröhlichkeit, als wenn sie sagen wollten: "Jetzt starten wir durch!" Bis 24 Uhr dröhnte es aus den Lautsprechern vom Lunapark, Musik in den Lokalen und Tanzveranstaltungen auf den Terrassen der Hotels beschallte je nach Windrichtung mehr oder weniger den Campingplatz. Bis alle in ihr Bett gefunden hatten war es oft 4 Uhr früh und um 5 Uhr regte sich wieder erstes Leben am Platz. Die Warenanlieferungen für das Lebensmittelgeschäft, die Reinigungskräfte für die Sanitäranlagen und ratschende Frühaufsteher weckten mich schon wieder auf, nachdem ich erst kurz vorher eingeschlafen war. Unser Standplatz war auch etwas ungünstig gewählt, direkt an der Rezeption und dem grössten Restaurant, dem Borik.
Naja, dachte ich, nächstes Jahr stellen wir uns woanders hin. Für mich war eines sicher, ich komme wieder.

1997 war dann die Hölle los am Autocamp. Erst nach langer Sucherei haben wir einen Platz entdeckt, wo wir unseren Zeltanhänger aufstellen konnten. Der Platz war brechend voll und dementsprechend lang waren die Schlangen vor den Toiletten und Duschen. Eilig durfte mans da nicht haben. Auch der Lärmpegel war gegenüber dem Vorjahr noch gestiegen und nach einer fast schlaflosen Woche bekniete ich meinen Mann, dass wir uns den Meduliner FKK-Platz in Kazela anschauen. Er hatte zwar Bedenken, ob ihm FKK gefallen würde, aber der Lärm ging ihm auch auf die Nerven. Wir beschlossen mal Baden nach Kazela zu fahren um uns den Platz anzuschauen. Ein netter Kellner aus dem Amfora riet uns beim Schranken zu sagen, dass wir Freunde von Milos, dem Wirt vom Restaurant Bilina, sind.

Schon bei der Fahrt zum Bilina gefiel uns, dass die Wohnwagen und Zelte einen grossen Abstand zueinander hatten und nicht so aufeinanderpickten wie im Autocamp. Das Gelände war riesig und naturbelassen ........ und es war herrlich ruhig. Als wir die ersten Nackten rumlaufen sahen grinsten wir etwas verschämt und das Ausziehen am Parkplatz vor dem Bilina war das Unangenehmste. Als wir zum Wasser gingen, dachten wir, dass uns jeder auf den weissen Hintern starren würde. Wir hockten uns auf die Steine am Strand und wären am liebsten in einem Mausloch verschwunden. Nach einer halben Stunde - niemand hatte uns angestarrt oder angepöbelt - wagten wir uns ins Wasser. Es war einfach herrlich ohne Badeklamotten zu schwimmen und hinterher kein nasses Zeug am Leib zu tragen.

Aus dem Bilina hörten wir grade deutsche Schlager, "Marmor, Stein und Eisen bricht...." Da schnappten wir unser Handtuch und marschierten wie langjährige FKKler ins Lokal, lachten ein bisschen über das selbstgezeichnete Schild "nur Sitzen mit Handtuch" und fühlten uns so richtig wohl.

Kazela war die idealste Lösung für uns. Ich konnte mein Medulin behalten und trotzdem einen ruhigen und erholsamen Campingurlaub verbringen.

Da ich seither jedes Jahr viel Zeit in Kazela verbringe und Dauercamper geworden bin habe ich das Medulinportal gebastelt. Hier gibts immer wieder neue Informationen, Berichte und viele Bilder aus dem Ort Medulin, der mir so ans Herz gewachsen ist.

Es hat sich in den paar Jahren seit 1997 vieles verändert in Kazela. Genauso wie seit 1962, als ich erstmals Medulinluft geschnuppert habe. Veränderungen gehören zum Leben, ganz egal ob sie einem gefallen oder nicht.

Man muss es hinnehmen, wenn man es nicht ändern kann, aber man kann versuchen das Beste draus zu machen.

In diesem Sinne hoffe ich, dass Kazela und die Natur rundherum noch lange für Erholungssuchende erhalten bleibt und wünsche allen einen schönen Urlaub in meinem Medulin.

Eure Medulinka

Meduliner Hafen