Sommertour 2006

Reisebericht und Bilder von Maja Strohmeier aus Gelsenkirchen


Sommerach im fränkischen Weinland.

Klick auf die Bilder um sie zu vergrössern und mit dem "Zurück-Button" deines Browsers kommst du wieder auf diese Seite zum Weiterlesen. :-)


Pfarrwerfen, 25. Juni 2006

Seit dem 23. Juni sind wir nun schon auf der diesjährigen Sommertour. Alles, wie gehabt, nur mit zusätzlicher Besetzung. Till, Simons bester Freund und Anna-Maria, Davids Freundin sind mit von der Partie. Also, eine ganz "krasse Herde".

Freitag Mittag, nachdem es die Schulzeugnisse gab und David und Simon, nach harter Arbeit und mit ganz viel Glück das Klassenziel erreicht hatten, sprich in die nächste Stufe versetzt worden sind, sind wir glücklich und befreit in den Urlaub gestartet. Es gab ganz grossen Bahnhof für uns. Oma und Opa, Ulla und Frank, Tills Eltern, Annas Familie.... alle waren da zum Winken.

Gestartet sind wir bei eher bedecktem Himmel, aber je südlicher wir kamen, desto sonniger wurde es. Unser erstes Etappenziel war Sommerach im fränkischen Weinland. Für die 400 km von Gelsenkirchen-Buer nach Sommerach haben wir 6,5 Stunden gebraucht. Es war furchtbar voll auf der Autobahn und es gab laufend Unfälle.

In Sommerach angekommen, haben wir schnell zu Abend gegessen und sind zu unseren ökowinzerfreunden gegangen. Norbert und Elisabeth Drescher haben sich sehr gefreut und wir hatten einen tollen Abend mit leckerem Müller-Thurgau. David und Anna kamen später auch noch hin und Simon und Till waren oben im Fernsehraum des Campingplatzes und haben Fussball geschaut, es ist nämlich Fussballweltmeisterschaft.

bei_Drescher

Gestern Morgen um 8 Uhr gingen wir das zweite Etappenziel an, Pfarrwerfen in österreich, ca. 40 km südlich von Salzburg. Die gut 450 km haben wir in 5,5 Stunden bewältigt. Wir hatten schon die ärgsten Befürchtungen, weil nachmittags in München das erste Achtelfinalspiel ausgetragen wurde, Deutschland gegen Schweden. Auf der A 99 war es dann auch ziemlich zäh, aber das Team kam voran.

Pfarrwerfen

Nun sind wir hier auf dem Campingplatz Vierthaler in Pfarrwerfen. Wir teilen uns den gesamten Campingplatz mit noch anderen sieben Campingfamilien. Der Platz ist total klein, je eine Dusche für Frauen und Männer, drei Waschbecken, drei Toiletten, das wars, aber wir stehen direkt an der Salzach und haben einen gigantischen Ausblick auf das Tennengebirge.

Gestern Abend war es wildromantisch. In den Bergen wurden Johannisfeuer angezündet, es sah toll aus und unterstützt wurde das schöne Bild noch von zig-tausend Glühwürmchen. Ein ganz toller Abend, und, ach ja, Deutschland hat Schweden 2:0 geschlagen, d.h. es geht weiter. Die Stimmung ist jedenfalls sehr gut.


Eisriesenwelt

Felsen Weg zur Eisriesenwelt

Heute , nach dem Frühstück sind wir zur Eisriesenwelt gefahren. Richtung Werfen, an der Burg Hohenwerfen vorbei und nach ca. 5 km kam ein Parkplatz und von da an hiess es Laufen. Ca. eine Viertelstunde steil bergan zur Seilbahnstation, dann drei Minuten mit der steilsten Seilbahn Europas den Berg rauf und noch einmal zwanzig Minuten Fussweg zur grössten Eishöhle der Welt. Allein der Aufstieg ist schon ein Superlativ.

Vor der Höhle hat uns der nette Höhlenführer Markus in Empfang genommen. Es werden Führungen in allen erdenklichen Sprachen unternommen. Da schon ein paar deutschsprachige Besucher da waren und wir dann noch mit einer 6er Herde aufkreuzten, meinte er, das sei ok und wir machten uns mit einer kleinen ca. zwölfköpfigen Gruppe auf in die Höhle. In der Höhle hatte es 0 Grad, das wusste ich. Warme Pullis hatten wir alle dabei. Was uns aber am Eingang der Höhle erwartete, überstieg all meine Fantasien. Die Tür wurde geöffnet und uns blies ein eisiger Wind entgegen. So kalt und so heftig, dass es uns den Atem nahm.

In der Höhle gibt es kein elektrisches Licht. Die Besucher bekommen Karbidlampen in die Hand gedrückt und die Skulpturen werden vom Höhlenführer mit Magnesium beleuchtet. Es ist wunderschön, geheimnisvoll, man fühlt sich in eine andere Welt versetzt. 1400 Stufen sind zu bewältigen, aber die Mühe lohnt. Ein unvergessliches Erlebnis und man muss die Eindrücke auch erst einmal verarbeiten und sich klar machen zu welcher Schönheit und zu welcher Erhabenheit die Natur fähig ist. Nichts in der Höhle ist von Menschen gemacht, diese wundervolle Welt ist einzig und alleine ein Produkt der unendlichen Schaffenskraft der Schöpfung.

Es fällt nicht schwer beim Anblick eines jahrtausend alten Eisriesen ehrfürchtig zu werden. Die Eisriesenwelt gehört neben Postoijna zu den beeindruckendsten Erlebnissen der letzten Jahre. Auch unsere Kinder und "Adoptivkinder" waren durchweg der Meinung, dass es lohnenswert war dorthin zu fahren, was in ihrem Alter gleich grosses Lob bedeutet.

Eisriesenwelt

Es war heute ein Tag der absoluten Gegensätze. Kälte in der Höhle und ein Glutofen hier im Tal. Es ist alles in allem ein gelungener Urlaubstag gewesen. Morgen wollen wir nach dem Frühstück aufbrechen und nach der "Tunneltour" in Bled in Slowenien zwei oder drei Tage bleiben.


Bled, 27.Juni 2006

Die Tunneltour haben wir gestern erfolgreich hinter uns gebracht. Um 8.15 Uhr sind wir in Pfarrwerfen gestartet, nachdem wir uns von den anderen Campern verabschiedet hatten. Unter anderem bei einer Frau, die in Gelsenkirchen-Buer aufgewachsen ist, dann nach Bayern geheiratet hat und seit über dreissig Jahren nicht mehr in Buer war......
Frau Vierthaler war auch sehr nett, sie hat mir einen grosszügigen Rabatt eingeräumt, denn sie weiss, dass man mit vier! Teenagern eine Menge Geld braucht.
Die Fahrt war, bis auf die elendige Baustelle auf der A 10 bei Trebesing, recht angenehm. Anna hat eigentlich immer geschlafen, der Rest der Herde hat gelesen oder die Aussicht genossen.

Dann Bled!

Bleder See

Immer wieder ein Erlebnis. Ein Blick, eine Liebe. Niemals wird der Zauber, den ich empfinde, wenn wir auf den See zufahren, vergehen.

Gut! Angekommen, Wohnwagen abgestellt, Nahrung besorgen. Der nette Herr in der Rezeption war wieder leicht irritiert, als ich vier "Kinder"- drei fünfzehn- einer siebzehn, anmeldete- " vier Erwachsene?"- "nein"-" zwei Erwachsene, zwei Kinder?"- "nein" , " zwei Erwachsene, vier Kinder, dreimal fünfzehn und einmal siebzehn." Das ist echt ein Hammer, aber es macht Spass.

Wir hatten noch einen schönen Resttag und heute Morgen, nach dem Frühstück sind wir zur Burg Bled hoch gefahren

Burg Bled

Sechs Euro Eintritt pro Person ist echt heftig, aber es lohnt sich. Der Ausblick ist immer wieder sein Geld wert. Auch die "Herde" zeigte sich beeindruckt. Nach der Bergtour waren wir wieder einkaufen. Es ist unglaublich, was vier Teenager so alles wegfuttern und wegtrinken. Nach dem Einkauf der Grossfamilie haben wir so eine Art Ratatouille für die Herde gekocht - total lecker und total gesund.

Nachmittags haben wir uns ein Ruderboot gemietet und sind zur Klosterinsel hinüber gerudert, d.h. David und Till sind geschwommen. Auf der Insel haben wir das "Grün" des Wassers bewundert und in der Kapelle haben alle die Wunschglocke geläutet. Den Weg zurück haben dann nur noch Anna, Andreas und ich im Boot bestritten. David, Simon und Till sind geschwommen. Das letzte Stück haben Andreas und ich uns von Anna rudern lassen. (Dafür nimmt man Teenager mit)

Bootfahren

Simon und Till haben sich einen Angelschein gekauft und sind fast jede freie Minute am See. Sie sind abends so erledigt, dass sie um 21.30 Uhr bereits im Bett liegen und schlafen.
Die Tage waren bis jetzt, so meine ich, sehr schön. Wir sind eine "krasse Herde" und wollen morgen ans Mittelmeer. - Adria, wir kommen!


Vrsar, 1.Juli 2006

Seit Mittwoch sind wir auf dem Campingplatz Porto Sole in Vrsar.

Vrsar

Wir waren mittags hier und haben durch Zufall einen wunderschönen Stellplatz direkt am Meer, in der ersten Reihe bekommen. Wir brauchen nicht einmal ein Handtuch mit zum Wasser nehmen, es sind ca. zwanzig Meter zu laufen. Es ist wirklich superschön hier. Man läuft ca. zehn Minuten am Meer entlang und ist im örtchen.

Gestern haben wir das istrische Hinterland erkundet und sind nach Dvigrad gefahren. Dvigrad ist eine Ruinenstadt. Sie wurde im 14. Jahrhundert verlassen, nachdem die Pest dort gewütet hatte. Die überlebenden haben ein paar Kilometer eine neue Stadt, Kanfanar, gegründet. Ich fand den Ort sehr schön und auch der Rest der Herde zeigte sich beeindruckt. Heute Abend wollen wir eine Bootstour nach Rovinj unternehmen. Sonnenuntergang auf dem Meer, Rovinj bei Nacht.....ich freu mich schon.

alte Mauern, junges Volk Dvigrad


2. Juli 2006

Zu früh gefreut. Wir sind zwar abends zum Hafen gegangen, aber schon mit dem Gefühl, dass wir evtl. nicht fahren können. Aus dem Hinterland kamen dicke Wolken angezogen und der Wind wurde kalt. Alles sprach für ein Gewitter. Der Käpt'n meinte auch, dass das Risiko in einen Gewittersturm zu kommen einfach zu gross sei. Wir beschlossen einfach einen Tag später zu fahren. So hatten wir dann auch die Gelegenheit das letzte Viertelfinalspiel zu sehen. Brasilien vs. Frankreich. Brasilien ist zur überraschung aller ausgeschieden. Sie haben 0:1 verloren. Alle Favoriten sind im Prinzip raus. Die letzten vier Mannschaften sind: Deutschland (allergrösstes Erstaunen), Italien, Portugal und Frankreich. Mit so einem Erfolg für die deutsche Mannschaft hätte niemand gerechnet. Am Dienstag spielen sie gegen Italien.

Andreas und ich waren heute Morgen in Vrsar die Weinreserven wieder auffüllen. Ausserdem gibt es heute Tintenfisch. Andreas hat es sich nicht nehmen lassen den Fisch selbst auszunehmen und zuzubereiten.

der Koch


3. Juli 2006

Gleich vorneweg: Der Tintenfisch war aus-ge-vor-züglich....

Was für eine Kreation! Ein Sternekoch hätte ihn nicht besser zubereiten können. Unsere Teenager hatten nichts zu meckern und es gelüstete sie nach mehr.

Um 19.30 Uhr sind wir mit einem Boot, es war übrigens eine reine Privatfahrt, nur der Käpten und wir sechs, nach Rovinj gefahren. Es hat gewackelt und geschaukelt, aber richtig viel Spass gemacht. Nach einer knappen Stunde waren wir in Rovinj. Schnell zur Kirche heraufgelaufen und und den Sonnenuntergang im Meer betrachtet. Danach wurde es dann erfahrungsgemäss recht schnell dunkel und die Stadt bekam einen ganz eigenen Zauber.

Wir waren schon mehrmals in Rovinj, aber noch nie bei Nacht. Ein tolles Erlebnis. Die Stadt wimmelt und brummt vor Touristen, Einheimische stehen im Hafen am Kai und angeln, Luxusyachten liegen vor Anker, die Treppenaufgänge hell erleuchtet, Strassenhändler bieten ihre Ware an und die alte Stadt, die Perle der Adria, entfaltet ihr ganz persönliches Flair, indem sie die Menschen nur langsam in ihr laufen lässt. Langsam laufen lässt?

Ja, man kommt nur sehr langsam auf den blankpolierten Mamorsteinen, mit denen die Strassen gepflastert sind voran. Man bekommt das Gefühl., dass die Stadt keine Hektik zulässt. Sie zwingt die Besucher zur Langsamkeitund eröffnet ihnen somit den Blick für ihre Schönheit...

Rovinj - Sonnenuntergang

Kurz bevor wir wieder ablegten, sind wir noch einmal hinauf zur Kathedrale der heiligen Euphemia. An der Kirchenmauer hielt sich ein mächtiger Hirschkäfer auf, der dann wohl eher unfreiwillig zum meist fotografierten Motiv des Tages avancierte.

Hirschkäfer

Wir fanden uns wieder am Hafen ein, wo uns der Käpten mit einem Becherchen Wein begrüsste. Er hatte sogar Sinalco für die Kinder mitgebracht, weil er nicht wusste, ob sie schon Wein trinken durften. Was für eine nette Geste...

Bootstour nach Rovinj

Die Rückfahrt war sehr romantisch, zumal sich noch ein leichter Nebel auf das Meer legte und die Lichter der Küste sich wie durch einen Weichzeichner betrachtet, erahnen liessen.

So, ich muss den Bericht für eine kurze Zeit unterbrechen, denn wir werden jetzt essen, aber gleich geht es weiter.


16.55 Uhr:

Wir haben soeben unsere Hauptmahlzeit eingenommen. Es war weder Mittagessen, noch Abendessen, einfach Urlaubsessen. Man isst, wenn man Hunger hat und vor allen Dingen dann, wenn die Temperaturen die Zubereitung zulassen.

Heute Morgen sind wir mit unseren vier Kindern nach Vrsar rauf zur Kirche Sveti Marija od mora gelaufen. Für die "Kleinen" war es mal wieder furchtbar anstrengend, aber ich glaube auch sie haben den Blick vom Campanile genossen. Nach Westen raus auf das Meer, auf die Adria in ihren schönsten Blau- und Grüntönen, nach Norden auf Funtana, nach Süden auf Rovinj und nach Osten auf das Ucka-Massiv.

Sveti Marija od Mora

Auf dem Rückweg haben wir dann eingekauft. Jede Menge Gemüse, Cevapcici und vor allen Dingen Getränke.
Das Essen war hervorragend, wir sind alle satt und wir stinken alle ganz fürchterlich nach Knoblauch.


6. Juli 2006:

Es ist kurz nach 13.00 Uhr, die Sonne steht senkrecht am Himmel.
Ich habe mich in den Schatten gestohlen, selbstverständlich mit einem Glas "Ombra", wenn man schon im Schatten sitzt ...
Vorgestern waren wir im La Rosa essen, war echt lecker und man hat von dort einen wunderschönen Blick auf den Hafen.
Danach war Fussball angesagt. Deutschland hat in der Verlängerung, sprichwörtlich in der letzten Minute noch zwei Tore von Italien kassiert. Schade, nun können sie nur noch um den dritten Platz spielen, aber immerhin.

Wir haben der alten Stadt Porec einen Besuch abgestattet. Das Hotel Riviera ist immer noch nicht renoviert worden. Es verfällt immer mehr. Ach, wenn ich nur genug Geld hätte, würde ich daraus wieder die erste Adresse in Porec machen...

Porec

Gestern Morgen waren Simon und Till tauchen. Wir hatten Simon zum Geburtstag einen Gutschein für einen Schnuppertauchkurs geschenkt und mit Ulla und Frank war es auch abgesprochen, dass Till tauchen durfte.
Die beiden bekamen eine theoretische Einführung, mussten sich dann in die Neoprenanzüge zwängen und schon wurde jeder von einem Tauchlehrer, einer Tauchlehrerin an die Hand genommen und runter ging es in die schöne, blaue Adria. Die beiden waren hinterher schon sehr beeindruckt und meinten, dass das ein ganz tolles und intensives Erlebnis gewesen sei.

Tauchgang

Gestern Abend haben wir wieder Fussball geschaut. Frankreich : Portugal. Frankreich hat knapp, durch einen Elfmeter von Zidane, gewonnen. Das Finale der Fussballweltmeisterschaft heisst also Frankreich : Italien.

Eigentlich hatte ich gedacht, dass das junge Volk ständig unterwegs sein wird, Party machen, aber irgendwie sind alle vier abends doch ziemlich erschöpft und gehen relativ früh schlafen.


16.55 Uhr:

Ich sitze hier, ganz alleine, und schaue auf das Meer. Dort draussen scheint sich etwas, das nach Wind und Gewitter aussieht, zusammenzubrauen. Die vier Kinder sitzen im Wohnwagen und gucken irgendeine daily-soap und mein Mann hält sich schon, seit mindestens zwei Dosen Pivo bei unserem Nachbarn zur Rechten, aus dem Lahn-Dill-Kreis, auf.

Eigentlich sollte das unser letzter Tag auf Porto Sole sein.

Andreas und ich haben heute in Vrsar auf Empfehlung des Käp'tens einen Tisch bei Goran für morgen reserviert.

Im Laufe des Tages hat sich aber immer mehr herauskristallisiert, dass die Mehrheit der Herde vielleicht doch lieber noch einen Tag länger hier bleiben möchte und dafür auf einen Tag im Campingpark Umag verzichtet. Ich hätte grundsätzlich nichts dagegen, denn so einen schönen Stellplatz bekommen wir so schnell nicht mehr.

Abendstimmung in Porto sole Porto Sole


Novigrad, 8. Juli 2006

Wir haben einen Tag verlängert, wir waren auch gleich zweimal bei Goran essen. Gestern haben wir alle sechs Spanferkel gegessen und es war köstlich.

Heute Morgen, gegn 10 Uhr sind wir von Porto Sole aufgebrochen. Es waren zehn total schöne Tage, die ich auf ewig in meinem Gedächtnis gespeichert habe.

Wir hatten uns entschlossen die Küstenstrasse zu fahren, statt der neuen schnellen Strasse in Inneristrien. So fuhren wir über die Mirnamündung, die Halbinsel Lanterna und waren wider Erwarten schon nach vierzig Minuten am Eingang vom Camping Park Umag.

Wie gewohnt bin ich zur Rezeption und habe mein Sprüchlein aufgesagt. Der Platz war recht leer, trotzdem konnte man mir nur einen Platz im Wald, ohne Strom, oder eine Luxusparzelle auf der Halbinsel anbieten. Wald, muss nicht sein, Luxusparzelle, meinetwegen. Dann kam aber der Klops der Klöpse. Ich sollt zwei Parzellen mieten, da eine Parzelle nur mit maximal vier Personen belegt werden darf.

Ich habe dann mächtig Luft in meine Lungen gepumpt und meinem Unmut, der sich ja bereits in den vorausgegangenen Jahren aufgebaut hatte, dieselbige zu geben. Mit vier Kindern ist man also gezwungen zwei Plätze zu mieten. Das ist lächerlich. Ich habe sofort sämtliche Dokumente zurückgefordert und lautstark kundgetan, dass Camping Park Umag nun endgültig Geschichte für mich sei.

Aber sie stört es ja nicht, auf Individualcamper legt man dort eh keinen Wert mehr. Man soll buchen, direkt für mindestens drei Wochen, am besten noch über eine Gesellschaft, so lässt sich mehr Geld machen, und nicht mit den Leuten, die vielleicht mal für ein paar Tage vorbei schauen....

Die Herde war im ersten Moment geschockt und auch ein wenig traurig und enttäuscht, aber ich habe dann gleich vorgeschlagen: "Wir fahren zurück Richtung Novigrad und schauen uns den Campingplatz Mareda an."

Gesagt, getan. Immer noch gut in Fahrt habe ich uns an der Rezeption angemeldet und gleich kundgetan, dass ich vier! Kinder habe und dass wir alle auf eine Parzelle wollen. Das "leckere" Kerlchen an der Rezeption lächelte und meinte nur "Nema problema, Sie sind bestimmt eine tolle Mutter." ......

Nun stehen wir hier, wieder mit Blick auf das Meer.
Andreas und ich waren schon bei Marko Wein holen, er war allerdings nicht da, aber seine Frau.
Dann sind wir noch nach Lovrecica gefahren und haben bei Marijan direkt für morgen einen Tisch bestellt, damit Andreas endlich zu seinem T-Bonesteak kommt. Jedenfalls ist es hier um Längen schöner, als auf Park Umag, allein der Gedanke daran ärgert mich.....

Kai Pirinha


10. Juli 2006:

.... kurz nach Sonnenuntergang......

Italien ist Weltmeister, nach Verlängerung und Elfmeterschiessen.
Novigrad ist immer noch ein wunderschönes Städtchen, das Essen bei Marija war gut, wir haben den alten Bazi aus München vom letzten Jahr wiedergetroffen, uns entschlossen bis Mittwoch zu bleiben, waren bei Marko Grappa kaufen, waren heute in Tar auf der Kartbahn und, und, und.......

Novigrad

Heute hat es mal kurz gewittert und einen heftigen Schauer gegeben, aber nichts dramatisches - die Markise steht - .

Die Kinder, wenn man sie noch so nennen darf, sind nach wie vor sehr umgänglich. Manchmal muss man sich wirklich wundern.
Wir hatten von Marko Pflaumen mitgenommen, aus seinem eigenen Garten. Simon wollte eine essen und hat festgestellt, dass ein Wurm drin war. Ich meinte nur, dass das ein Zeichen dafür sei, dass die Pflaumen nicht mit Pflanzenschutzmitteln behandelt worden sind. Das war ein Stichwort und die Sensation. Der Wurm wurde aus dem Obst befreit, genau betrachtet und studiert.

O, tempora, O, mores! Früher hätten wir Theater gemacht, heute ist es eine Sensation, wenn man Obst mit einem Wurm, sprich Proteinen bekommt ...

Till und Simon sind wirklich lustig. Die beiden sind kaum zu toppen. Sie diskutieren ständig und denken sich total blöde Wetten aus, wie z.B. heute:

Zuerst haben sie ein Zwiebelwettessen veranstaltet und zum Abschluss hiess es; wer kann mehr frischen Knoblauch essen.... Das ist eben Till vs. Simon. Und morgen früh wundern sie sich wieder, dass es in ihrer Pupskoje so stinkt.

Jedenfalls war es bis jetzt eine echte Bereicherung mit vier Teenagern unterwegs zu sein.


übersee, 13.Juli 2006

Seit gestern 17.30 h, sind wir in übersee am Chiemsee. Deutschland hat uns also wieder.

Gestern Morgen um 9.30 h sind wir von Mareda abgefahren. Um diese Zeit hatten wir schon 33 Grad im Schatten. Die letzten zwei Tage waren unerträglich heiss und schwül. Am letzten Abend auf Mareda sind wir noch mit unseren Campernachbarn aus Augsburg, Christine und Norbert zu Marijan gefahren und haben den Urlaub am Meer mit istrianischem Fischessen ausklingen lassen. Andreas und ich hatten absolut köstliche Muscheln, danach Tintenfisch und Andreas hat einen Fisch mit dem schönen Namen Osira gegessen. Zu Hause muss ich erst einmal recherchieren was für ein Fisch das ist.

Anna und David waren auch mit, aber Simon und Till haben es vorgezogen in die Pizzeria Fortuna zu gehen.

Abends sassen wir dann noch alle nett bei einem Glas Wein zusammen, denn Christine und Norbert wollten auch am nächsten Tag fahren. Sie waren zum ersten mal ohne ihre Töchter unterwegs, die aber immerhin auch schon 21 und 19 Jahre alt sind. So sitzt man da, plaudert über Erlebtes und ist ganz gelassen und unbeschwert, vielleicht sieht man sich mal wieder, vielleicht nicht, aber man behält sich in netter Erinnerung.

Die Fahrt hier zum Chiemsee war eher unspektakulär, da wir weder auf die Wein- und Grappabestände noch sonst irgendwie kontrolliert wurden. In Lesce bei Bled haben wir einen Zwischenstopp eingelegt und sind zu Hofer einkaufen gefahren, mit Wohnwagen ! - lustig -

Also, wir kommen an am Chiemsee am Campingplatz Rödlgries und Till und Simon sind auch schon im See, obwohl es bewölkt war und ein wenig tröpfelte.

Heute Morgen sind wir nach Grassau gefahren, die kleine Dörfertour und anschliessend haben wir in Bernau Weisswurst für das Mittagessen gekauft. Die haben wir dann, sträflicherweise nach 12 Uhr, verspeist. Till und Simon haben jeder fünf, in Ziffern 5, Würste gezuzzelt und vernichtet. Es ist unglaublich, was man für vier Teenager alles so an Nahrung und Getränken beschaffen muss.

Um 14.15 Uhr haben wir den Dampfer von übersee/Feldwies zur Fraueninsel genommen. Wieder hiess es 6,40 Euro pro Person, aber wir konnten eine Familienkarte herausschlagen, schliesslich ist eine Sommerfamilie auch eine Familie. Auf der Insel gab es dann nur einen Schnellrundgang. Wir hatten eigentlich vermutet, dass es Till und Anna interessieren könnte, wir waren schliesslich mit unseren Kindern schon dort, aber die Begeisterung hielt sich in Grenzen und so beschlossen wir, das nächste Schiff wieder zurück zu nehmen und doch lieber noch schwimmen zu gehen.

Fraueninsel

Vielleicht haben wir die Teenagerschaft auch schon mit dem gesamten kulturellen Angebot überfordert und sie sind nach Eisriesen, Wunschglocke, Vrsar, Rovinj, Novigrad, Dvigrad, Limski, Porec etc. nicht mehr empfänglich für die Schönheit der Fraueninsel Frauenchieming. Es ist jedenfalls ein herrlicher Tag.

Garten auf der Fraueninsel

Jetzt am frühen Abend sind die Temperaturen erträglich, der See ist wunderbar warm, die vier Kinder sind noch Volleyball spielen und Trampolin springen und später gehen wir noch eine Kleinigkeit essen.
Morgen soll es dann weitergehen nach Sommerach, unserer ersten und letzten Station auf dieser Sommertour.


Sommerach, 15.Juli 2006

Seit gestern, kurz nach 12 Uhr sind wir in Sommerach. Für die 360 km vom Chiemsee bis hierher haben wir inklusive Tankstopp vier Stunden gebraucht. In und um München und Nürnberg war es erfahrungsgemäss sehr voll, aber es ging immer irgendwie voran. Hier angekommen mussten Simon und Till natürlich als erstes sofort ins Wasser. Andreas und ich sind dann schnell nach Volkach gefahren und haben mal wieder Nahrung und Getränke herbeigeschafft.

Till und Simon haben sich zwei Eisbecher in Tassenform gekauft. Absoluter Kram und völlig überteuert. Till hat Donald Duck und Simon Pluto, oder umgekehrt. Der Mann, der ihnen das verkauft hat muss furchtbar gelacht haben, aber er hat auch versprochen es keinem weiter zu sagen. Jedenfalls hatten die beiden eine Menge Spass.

Wir stehen "draussen" auf dem unparzellierten Gelände des Campingplatzes, hier gibt es jede Menge Platz und die Jungs nutzen das zum Fussball und Volleyball spielen.

Andreas und ich sind abends zu Elisabeth und Norbert gegangen, nur eben Bescheid sagen, dass wir wieder da sind. Die Kinder haben Wetten abgeschlossen wie lange das "mal eben" dauern würde und tatsächlich, als wir nach drei Stunden wieder hier waren, haben David und Anna in ihrem Zelt gelegen und gelesen, Till hat Fernsehen geguckt und Simon schlief bereits.

Wir hatten bei Elisabeth und Norbert Drescher wieder einen wunderschönen Abend. Es ist einfach nur schön bei ihnen zu sein und das nicht nur wegen des guten Weines.

So, heute ist nun definitiv unser letzter Urlaubstag. Wir haben, das heisst, Andreas hat uns alle ausschlafen lassen. Nach dem Frühstück sind Andreas und ich ein wenig am Main spazieren gegangen. Simon und Till haben sich eine Angelkarte für den Main gekauft und haben sofort fette Beute gemacht, ein grosses Rotauge.

Angeln am Main

David, Anna, Andreas und ich sind mittags zur "Mittagshore" nach Münsterschwarzach in die Abtei gefahren. Das Mittagsgebet, gehalten von vierzig Mönchen, mit Sprechgesang und Liturgie, hat mir persönlich sehr gut getan. Auch, oder gerade weil ich Protestantin bin, mag ich den Benediktinerorden. Die Abtei ist schlicht, strahlt aber eine ungeheure Würde aus.Ich hatte zwanzig Minuten Zeit mal wirklich runterzukommen und habe mich von den liturgischen Gesängen der Mönche forttragen lassen. Wir haben in diesen drei Wochen so viel schönes gesehen und erlebt, dass man ruhig auch mal dankbar zurückschauen kann. Ich fühlte mich und meine "Herde" immer gut behütet.

David und Andreas fanden das jetzt nicht so toll, aber ich glaube ihnen fehlt da so auch ein wenig der spirituelle Zugang. Anna hat nichts gesagt, aber auch nicht gemault, vielleicht kann man in ihrem Alter einfach noch nicht erkennen, was eine Streicheleinheit für die Seele ist.

Es ist jetzt 13.30 Uhr und ich sitze hier ganz alleine mit meinen Gedanken vor dem Wohnwagen. Mittlerweile sind alle zum Main runtergegangen um Simon und Till beim Angeln zuzuschauen. Um 15 Uhr haben wir uns mit Elisabeth verabredet. Sie hat als Gästeführerin einen Schlüssel zum neuen Weinreich und macht mit uns eine Privatführung.

Weinreich Sommeracher Tor


Buer, 22.Juli 2006

Seit knapp einer Woche sind wir wieder daheim und es wird Zeit für ein Resümee.

Wir hatten noch einen interessanten Nachmittag in Sommerach mit Elisabeth im Winzerkeller. Abends haben wir das traditionelle "Abgrillen" veranstaltet und uns die Bäuche vollgeschlagen. Zum Nachtisch gab es zur Freude aller noch Marshmallows, furchtbar süss, aber kultig.

Andreas und ich haben den restlichen Abend bei und mit Dreschers und Nüssleins verbracht. Wir werden sie im September , wenn wir zu Dreschers Hoffest fahren, wiedersehen. Leider hat Anna sich an jenem Abend übel am Fuss verletzt. Sie ist an einem zu weit aus der Erde stehenden Erdnagel eines holländischesn Zeltes hängen geblieben.

Ich habe dann, als wir zum Wohnwagen kamen die Wunde desinfiziert. Es sah schon übel aus, war mit dem, was ich dann am nächsten Morgen sah aber nicht zu vergleichen. Auf ihrem Fussrücken klaffte eine grosse Risswunde.

Wir sind um 10.10 Uhr in Sommerach losgefahren, hatten eine prima und gemütliche Fahrt und sind gut 4,5 Stunden später in Buer eingetroffen. Anna hatte ihre Eltern von unterwegs angerufen und sie kamen auch gleich und sind erst einmal mit ihr zum Krankenhaus. Die Wunde wurde gesäubert, konnte aber nicht mehr geklammert werden, sie muss jetzt so heilen. Alles wird wieder gut, nur eine Narbe wird bleiben.


Jetzt aber zum Resümee:

Im Prinzip vermisse ich jetzt schon die ganze Bande.
Till ist gleich am nächsten Tag mit Ulla nach Sylt gefahren und auch Anna habe ich aufgrund ihrer Verletzung noch nicht gesehen.
Also, nachdem der Urlaub nun schon fast eine Woche rum ist, ich erst einmal gut durchgeatmet habe, muss ich sagen, mit dieser Herde?, - jederzeit wieder.

Vielleicht müssen Kleinigkeiten verändert werden, die Jungs müssten endlich lernen, dass nasse Handtücher an die Wäschespinne und nicht auf das Bett gehören. Vielleicht müsste das junge Volk lernen nicht immer zu warten, bis man ihnen einen Auftrag gibt, sondern von alleine drauf kommen, dass der Tisch abgeräumt werden muss, dass kein Wasser mehr da ist, oder dass der Potti voll ist, oder, oder, ........

Aber das sind, wie gesagt, Kleinigkeiten. Es war eine tolle Tour, wir hatten alle sehr viel Spass, haben viel erlebt und gesehen und sicherlich haben die Vier auch Eindrücke fürs Leben mitgenommen. Dass Leben auf engstem Raum auch unglaublich viel Freiheit und Improvisation sein kann und dass Spontaneität im Urlaub, was die Ortswahl angeht, eine echte Bereicherung ist, das haben unsere Teenager erfahren.

Ich würde mich freuen nächstes Jahr eine neue Tour, inklusive Plitwitzer Seen, in dieser Besetzung planen zu dürfen.

Das war Majas Sommerfamilie 2006