Dieses Gedicht schrieb ich im September 1999 für eine liebe, leider schon verstorbene Kollegin, zu ihrem 60sten Geburtstag.

Gerda, eine ehemalige Wirtin mit deutschen Wurzeln, wurde von allen liebevoll "Herzilein" genannt, weil sie ständig ein rosarotes, herzförmiges Putzkübelchen herumschleppte. Ich beschreibe hier wahrheitsgetreu den ersten Auftritt und ihren Werdegang in der Papiermacherschule Steyrermühl.

Viel Vergnügen beim Lesen. Deine Medulinka

 

Dem Herzilein zum 60sten Geburtstag

Es war einmal, vor ein paar Jahren,
als eine Dame mit rotgelockten Haaren,
sich in die Meisterschule wagte -
und ganz forsch nach Arbeit fragte.

Der Anblick einer pelzverhüllten Frau am Morgen,
machte der Sekretärin schon grosse Sorgen.
"In der Chefetage gibt's keinen Posten -
das würde ja meinen Sessel kosten!"

Doch die Sommersprossendame spricht,
mit ganz feierlichem Gesicht:
"Ich möcht' so gerne hier mal putzen,
was die Schüler jeden Tag beschmutzen!"

Diesen Job bekam sie gleich -
doch als Dr. Stecher sie erblickte, wurde er ganz bleich.
Solche Putzfrauen brauchen einen neuen Namen -
Im Computer steht jetzt "Hausservicedamen".

Ja, so war's, als die Gerda hier begann zu walten -
den grossen Wischer konnte sie gar nicht halten.
Der Vileda-Wischmop aus Privatbestand,
lag ihr viel besser in der Hand.

Auch grosse Kübel waren ihr ein Graus',
das neue Eimerchen, ein Augenschmaus.
Rosarot, in Form eines Herzilein,
führte sie gleich darauf ein.

Auch der Bartwisch hatte für ihr Gefühl,
einen viel zu kurzen Stiel.
Jetzt hat er einen Langen dran,
dass man ohne Bücken kehren kann.

Besonders heikel ist sie mit ihrem Wagen,
da darf man ihr rein gar nichts vertragen.
Alles hat darauf seinen Platz -
der Staubwedel ist ihr ganz besondrer Schatz.

Und noch viele schöne Sachen,
die ihr beim Putzen Freude machen,
hat sie am Wagerl gut verteilt,
wenn sie damit durch die Gänge eilt.

Nur beim Stiegensteigen und beim Tragen,
da muss die Gerda sich ganz arg plagen.
Das ist für ihre Füsse Gift -
jetzt nicht mehr, nun hat sie einen Lift!

Auch über die Fliesen im Badezimmer,
ärgerte sie sich immer.
Mit der Zahnbürste Fugen putzen war ihr zu schwer -
ein Dampfreiniger musste sofort her.

Die Investition schlug fehl, und das sündteure Gerät -
jetzt unbeachtet in einem Abstellkammerl steht.
Ja, was gibt es sonst noch von der Gerda zu berichten?
Ach ja, ein paar lustige Geschichten!

In der Schule ist sie ein guter Geist,
der sofort jeden Müll wegschmeisst.
Als dann Frau Kreuzer etwas aus der Küche braucht,
und fragt: "Ist das normal, dass die Mülltonne raucht?"
Da kann man sehn, wie schnell die Gerda rennt,
wenn's im Kübel hurtig brennt.

Mit Herrn Zausek ist sie zusammengekracht,
weil er mit den Schuhen schwarze Striche auf den Boden macht.
Inbrünstig hat sie ihn angefleht,
dass er seine "Latschen" doppeln geht.

Auch andre Lehrer sind vor ihr nicht sicher,
als sie, unter allgemeinem Gekicher -
bei einer kleinen Abschiedsfeier -
zu ihrem Liebling kürt den Robert Geyer.

Den Secklehner hat sie dann gerügt,
ob sie leicht kein Bier mehr kriegt.
Er hat ihr dann immer ganz brav nachgeschenkt! -
Gott sei Dank, dass sie kein Auto lenkt!

Es gibt auch in Gerda's Putzgeschichte
einige kuriose Unfallberichte.
Ist irgendwo ein nasser Fleck -
rutschen ihr die Füsse weg.
Beim Geschirrspüler ist sie sehr gefährdet,
da hat sie schon ein paar Mal geerdet.

Auch ihre Neugier hat die Tücke,
dass sie fällt in eine Lücke.
Auch wenn per Schild der Durchgang wird verwehrt,
ist das etwas, das sie gar nicht stört.
Kleinlaut wurde sie gefunden,
das schmerzte mehr, als alle Wunden!

Wenn sie ihre Zimmer putzt, da braucht sie Ruh',
drum macht sie auch die Türen zu.
Da kannst du rufen und auch klopfen -
Auf ein Lebenszeichen darfst du nicht hoffen.
Und wenn man sie dann doch orten kann,
sitzt im Zimmer meist auch ein Mann!

In der letzten Zeit hat sie Gefallen an der Diät gefunden,
es sind auch schon einige Kilos an ihr geschwunden,
doch redet man vom Stelzenessen -
sind die Hungerkuren gleich vergessen.

Liebe Gerda, warum sollst du leiden?
Wie du bist, so kannst du bleiben.
Sei weiter so lustig und bleib gesund,
tu immer deine fachgerechte Meinung kund,
putz mit langen oder kurzen Besen, ganz wie du willst -
und wenn du dich mal traurig fühlst -
du weisst, wir sind immer für dich da,
auch im neuen Lebensjahr.

Drum wünschen wir dir zum 60sten Wiegenfest -
Lauter grosse Stelzen und ja keinen "BUTTERREST"!

© Medulinka September 1999