Träume nicht dein Leben,
sondern lebe deinen Traum.

Glücklich 50 Glücllich

Dass ich 50 werde hatte ich schon gehofft - nicht dass mich kurz vorher der Herzkasperl holt - aber wie ich den übertritt in das nächste halbe Jahrhundert geschafft habe, war schon sehr aufregend und ungewöhnlich.

Irgendwie waren alle eingeweiht und haben ein grossartiges Schauspiel inszeniert. Allen voran mein Mann und meine Töchter, die Schwiegersöhne, die Camperfamilie in Kazela und Milenko samt Personal im FKK-Restaurant Bilina. Nur ich hatte keine Partitur gekriegt, nur ich war der ahnungsloseste Statist, der ständig vor überraschung, Rührung und lauter "Iss net schee" Rotz und Wasser heulte.

Zur Vorgeschichte:
Auslöser für meine 50er Feier in Medulin war der 49ste Geburtstag im Vorjahr. Ich wehrte mich mit Händen und Füssen die Tatsache zu akzeptieren, dass zu meinem "Runden" wieder eine grössere Feier anstehen sollte. Ich hatte die Einstellung, wenn ich die Zahl 50 ignoriere, dann passierts auch nicht. So nach dem Motto: "Was ich nicht sehe, das ist nicht!" Tja, leider funktionierte dieses Spiel aus Kindertagen nicht mehr zufriedenstellend.

Diese Vogel-Strauss-Politik inspirierte aber meinen Mann und der schmiedete geheime Pläne. Er sagte mal so spasseshalber zu den Kinderlein: "Das wär eine überraschung, wenn ihr alle bei der 50er - Feier der Mama in Medulin auftaucht!" - Und gerade mein Schwiegersohn Christian, seines Zeichens absoluter FKK-Gegner, war dann derjenige, der den Stein ins Rollen brachte. Wie aus der Pistole geschossen kam von ihm der Kommentar: "Genau, das mach ma!"

Im Prinzip war mein 50er nur Nebensache, als dann im März 2006 richtig geplant wurde. Christian erfand zwar 100.000 Ausreden um sich vor FKK in Kazela zu drücken, doch jetzt hatte er bei den Anderen keine Chance mehr. Das Witzigste war eigentlich, dass ich absolut nichts mitkriegte, obwohl sie oft neben mir über unseren Standplatz, Wohnwagen, usw. diskutierten.

Mein Mann war auch in den letzten Wochen vor meinem Geburtstag derart rechthaberisch und bestimmend, wie ich ihn in 31 Ehejahren noch nie erlebt habe. Er hatte aber für alles und jedes eine plausible Erklärung parat, dass ich ständig klein beigeben musste, obwohl mir das ja total zuwider ist.

Naja, also fuhren wir am Donnerstag, den 15. Juni in meine zweite Heimat nach Kazela. Die Geburtstagsfeier zuhause, mit Verwandten und Freunden hatte ich schon hinter mir, freute mich auf meine Medulinfamilie und ein gemütliches Beisammensitzen ohne jede Aufregung an meinem Geburtstag.

Als wir ziemlich müde und ausgelaugt die Ortstafel Pula nach 8-stündiger Fahrt passierten, schnappte sich mein Hermann das Handy und rief unsere ältere Tochter Alexandra an. "Blabla, wir sind jetzt in Pula, alles in Ordnung. wie ist denn das Wetter zuhause?" Ich fragte überrascht, warum denn ER schon in Pula daheim anruft, da er sich doch sonst immer wehrt zu telefonieren und ich die Ankunfts SMS abschicke.

"Ja, sagt er, die Alexandra hat sich beschwert, dass du die SMS immer so spät abschickst und deshalb hab ich sie jetzt gleich von Pula aus angerufen. Da kann sie ja dann wirklich nicht meckern". Okay, ich bin ja kein misstrauischer Mensch und einleuchtend fand ich das ja auch.

Nach Stau am Karawankentunnel und in Ljubljana hatten wir auch noch Pech an der Abzweigung nach Medulin. Der Abschleppwagen versperrte die Strasse und wir zockelten mit X anderen über Pomer nach Medulin. Endlich in Kazela wollte ich schnell auf die Toilette. Ich hatte das Duschhaus im Vorbeifahren im Visier, aber Hermann glaubte, dass ich gleich ins Bilina fahren würde. Er fing sofort an zu lamentieren, was mich schon etwas verwunderte, da er ja sonst immer ins Wirtshaus drängelte. Als ich aber Richtung Wohnwagen abbog, beruhigte sich mein Hermann wieder.

Es war an diesem Tag wahnsinnig heiss, kein Lüftchen wehte und ich riss nur schnell alle Fenster im Wohnwagen und Vorzelt auf. Hermann räumte die Kühlsachen aus dem Auto in den Kühlschrank und schnauzte mich schon wieder an, etwas "Gas" zu geben. Fast hätten wir zu streiten begonnen, weil er es gar so drawig auf sein heissgeliebtes Pivo hatte. Aber sogar dazu hatte ich keinen Nerv mehr. Ich war echt müde, mir war heiss und Durst hatte ich auch. Also schleuderte ich mein Gewand in eine Ecke, schnappte meinen Pareo, wobei mein Hermann schon wieder die Augenbrauen hochzog, aber diesmal nichts mehr sagte.

Als wir dann so langsam Richtung Bilina fuhren, nach der Reihe unsere Camperbekannten im Vorbeifahren begrüssten, sehe ich schon von weitem, dass Doris aus Chieming plötzlich von ihrer Liege aufspringt und auf die Strasse vor unser Auto hechtet. Ich denke mir: "Mei, hat die Doris a Freud, dass sie uns begrüssen kann. Des war ja noch nie so pressant die letzten Jahre!"

"Bussi, Bussi.... der Hermann (ihr Mann heisst auch Hermann) wartet schon ganz aufgeregt im Bilina auf der Terrasse" - rattert sie los. Wir sollen ihn ja sofort begrüssen gehen, weil er seit Stunden dort sitzt und auf unsere Ankunft wartet.. "Jessas", denk ich mir, heuer is aber ein komisches Jahr. Ständig is was aus der Norm.

Ich fahr also zum Bilina und hab nicht gleich einen Parkplatz auf der Hinterseite gefunden. Ich fahr daher ein Stück herum und finde auf der Rückseite vom Lokal einen Platz für unsere Familienkutsche. Rennt mir schon wieder mein Hermann gestikulierend hinterher, aber als er sieht, dass ich einparke und nicht zur Vorderseite fahre, lässt ers gut sein.

Kopfschüttelnd denk ich mir meinen Teil und will bei der Hintertür ins Bilina. "Nein", schreit mein Hermann, "wir gehen über die Terrasse rein". "Des is doch wurscht, wo wir reingehen", meine ich, doch er will partout den Umweg über die Terrasse machen, weil ja da der Doris-Hermann wartet. Ich sage, dass ich doch durchs Lokal gehen kann und zuerst Milenko und dann Hermann begrüssen könnte........ Aber nein....... Naja, lauter Verrückte sind wohl heute um mich.... gehen wir halt vorne rein.

Doris Hermann springt gleich auf, - "Hallo und Bussi, Bussi.... Blablabla....", und nach einer Weile, - mir ist schon sooooo extra heiss - sagt er: "Hast eigentlich schon das Plakat gesehen?" - "Wo?", frag ich. "Na, da oben hängts doch". - Ich werd verrückt. Hängt da ein Transparent mit einem 50er drauf, Unterschriften von allen meinen Lieben, Töchter, Enkel, Schwiegersöhne..... Jetzt haben die mich ausgehängt, wie haben die das bloss gemacht, haben sie mit Milenko telefoniert? Fragen über Fragen. Tststs... Plakat zum 50er

Während ich noch drüber nachdenk gehen wir ins Lokal rein und ich möchte mich im unteren Bereich niederlassen, weil da meine Lieblingsstühle stehen.Wiedermal war das aber meinem Mann nicht recht. Er wollte sich oben hinsetzen, obwohl es dort stockfinster war, weil Milenko wegen der Fussball WM die Fenster verhängt und eine Leinwand aufgestellt hat. Mir war jetzt eigentlich schon alles wurscht und wollte nur gemütlich etwas trinken und eine Kleinigkeit essen. Ich stapfte die 2 Stufen rauf und Milenko kam mir entgegen, drückte mir ein Glas Sekt in die Hand und gratulierte mir zum Geburtstag.

Tja, und dann stand plötzlich meine Tochter Alexandra vor mir............

Ich war vollkommen perplex, umarmte sie und fing gleichzeitig an zu heulen. Jürgen, mein Schwiegersohn, kam auch noch dazu. Ich freute mich ganz narrisch und fand das eine echt gute Idee, dass sie das lange Wochenende mit mir in Kazela verbringen wollten um meinen 50er zu feiern. Als dann noch meine jüngere Tochter Martina auftauchte wars perfekt für mich. Sie war ja vor 5 Jahren einmal für 14 Tage mit uns mitgewesen in Kazela. Ich drückte sie ganz fest, heulte wie ein Schlosshund und sagte zu allen, dass ich das total schön finde, dass sie die Martina auch noch mitgenommen haben.

Im Prinzip war das zwar eine gelungene überraschung, aber dennoch nicht soooo ungewöhnlich, da sie ja alle Kazelacamper waren. Zu meiner Seligkeit ging mir jetzt nur noch mein zweiter Schwiegersohn Christian ab. Er wird liebevoll von uns "da Bua" genannt und ich sagte ganz verständnisvoll schluchzend: "Gell, den Buam habts aber nicht mitgenommen?" Martina erklärte erwartungsgemäss, dass sie ihn absolut nicht überreden konnte mitzufahren. Tja, da kann man halt nix machen, das muss man akzeptieren, auch wenns mich a bissl traurig macht.

So, und da hab ich mich grad damit abgefunden, als "da Bua" grinsend vom Nebenraum reinspaziert.

alle beisammen in Medulin

Ich dachte, ich werd nicht mehr 50. Wenns funktionieren würde, dann wär mir das Wasser waagrecht aus den Augen rausgeschossen. Dass der Christian mitgefahren ist, das war DIE Sensation und die riesigste aller überraschungen. Eine Geburtstagstorte gabs sogar und die Menge von Kerzen schmolz schon die Schlagobersverzierung weg. Ich konnte das Flammeninferno aber zwischen zwei Schluchzern löschen.

Tja, jetzt hatte ich alle meine Lieben um mich versammelt. Ein paar Camperfreunde, die das Drama genüsslich von weitem beobachtet hatten, stellten sich ebenfalls schon ein um zu gratulieren und hatten ihren Spass daran, dass ich noch ganz aufgelöst war wegen dieser "Kinderüberraschung".

Nach und nach kristallisierte sich raus, dass die meisten Bescheid gewusst hatten, was so in Planung war zu meinem 50er. Um 5 Uhr nachmittag war aber dann die ganze Michpoche so fertig, dass wir uns ein Schläfchen gönnen mussten.

Am nächsten Tag, Freitag, den 16.6. war ein kleiner Umtrunk und ein gemütliches Beisammensitzen mit meiner Medulinfamilie geplant. Den Nachmittag genoss ich mit meiner Familie bei unserem Wohnwagen, als plötzlich ein grosses, blaues Auto mit Kärtner Nummer auf unseren Platz fuhr. "Das darf doch nicht wahr sein" - Hannelore und Günther, unsere Freunde aus Pribelsdorf, hatten kurzfristig beschlossen bei meiner Kazelageburtstagsfeier dabeizusein.. Das war natürlich ein riesiges Hallo und meine Tränendrüsen liefen prompt wieder auf Hochtouren.

Um 20 Uhr trafen wir uns dann alle im Bilina. Einige der Medulinfamilie kannten sich ja untereinander nicht, oder halt grad von Bildern auf meiner Homepage. Natürlich gabs daher eine lebhafte Unterhaltung und es war richtig schön mit allen beisammenzusitzen. Am späten Abend durften die neuen und echt köstlichen Pizzakreationen vom Bilina nicht fehlen. Alle 10 verschiedenen Sorten kamen sozusagen als Knabbergebäck auf den Tisch. Da hatte jeder die Gelegenheit seine Lieblingspizzavariante zu küren. Diese Pizzas sind wirklich erstklassig und entwickeln sich zum Renner am Bilinaspeiseplan. Ich hab auch bis jetzt niemanden getroffen, dem sie nicht geschmeckt haben. Sogar Leute, die normalerweise Pizza nicht so gerne mögen, haben hier ihre Meinung geändert.

Kurz vor Mitternacht gabs dann wieder emsiges Getue bei meinen Medulinfreunden und um Punkt 12 schossen Isabella, Iris, Michael und Medard ein Feuerwerk für mich ab. Echt verrückt und soooo schön war das, dass ich natürlich schon wieder heulen musste.

Tja, so bin ich 50 geworden. Ein Ereignis, das ich mehr gefürchtet als herbeigesehnt habe.

Ich möchte mich auch an dieser Stelle bei meinen Lieben, Camperfreunden und allen, die diese tollen überraschungen geplant und organisiert haben, aus ganzem Herzen bedanken. Ihr alle habt es mir mit eurer Unterstützung leicht gemacht, diesen Geburtstag positiv zu sehen und optimistisch in die Zukunft zu blicken.

Auf die nächsten 50 Jahre mit euch allen an meiner Seite freu ich mich schon riesig.

Eure Medulinka

P.S.: Ein Patchworkbild von dieser Heul- und Schneuzorgie kannst dir hier ansehen