Ein Freitag vormittag im Juni 1978. Unsere Tochter Alexandra war gerade mal 2 Jahre alt und wir wollten wieder mal ein bisschen in Urlaub fahren. Doch eine Reisekasse war irgendwie nicht vorhanden. Also fiel uns nur "Camping" dazu ein. Wir waren schon als Jugendliche ein paarmal Zelten gewesen und es hat uns auch gefallen, doch diesmal war einfach der Spargedanke ausschlaggebend.Aber Zelt hatten wir ja auch keines, nur eine Idee, wie wir zu einem kommen wollten. Wir pilgerten also zu meiner Oma und fragten, ob sie uns bis zum Weihnachtsgeld 9.000,-- Schilling für ein Zelt vorschießen würde. Meine Oma war ja nicht neidig und es sollte ja nur leihweise sein, also gab sie uns 9 Blaue. Nur eine Bedingung knüpfte sie daran:
Das wäre ja an und für sich kein Problem gewesen, doch dazu muß man wissen, daß meine Oma damals 75 Jahre alt und schon fast blind war. Wir sagten also okay, weil wir ja das nicht wirklich ernst genommen hatten und fuhren nach Vöcklabruck in den Kaufhof. Die hatten gerade eine Campingausstellung.Am Dach des Parkdecks waren die Objekte unserer Begierde aufgestellt. Ein super Hauszelt mit Schlafplätzen für 6 Personen und einem Küchenanbau stach uns sofort ins Auge. Da es von diesem Zelt nur noch das Aufgestellte gab, bauten wir es gemeinsam mit dem Verkäufer ab. Das hatte den Vorteil, daß sicher alle Stangen dabei waren und Prozente kriegten wir auch noch. Ein zweiflammiger Gaskocher und die Gasflasche dazu gingen sich auch noch aus und so fuhren wir überglücklich zu meiner Oma, um ihr von dem Schnäppchen zu berichten.

unser erstes Zelt
Da wir immer schon zu spontanen Entschlüssen neigten, beschlossen wir praktisch sofort in den Urlaub zu fahren. Sofort lief meine Oma ganz aufgeregt in ihrer Wohnung umher und bat meinen Mann den Koffer vom Kasten herunterzuholen. Da war uns schlagartig klar:
Wir wußten, daß sich meine Oma nicht umstimmen lassen würde und ließen sie packen. Sie war ein Packtalent und würde sicherlich mit einem Koffer auskommen. Also fuhren wir auch nach Hause um unseren Krimskrams zusammen zu suchen. Alle Steppdecken, einige als Unterlage, die anderen zum Zudecken, Polster, das Bundesheergeschirr von meinem Mann und noch ein paar Häferl und Reindln. Das obligate Tupperware, angefüllt mit Nudeln, Zucker, Kakao, Kaffee. Suppenwürfel, Packerlsuppen, Dosengulasch, Besteck, mein Wäscheschaffel für den Abwasch, natürlich den Holzkohlegriller und alles halt, wo wir dachten, das brauchen wir unbedingt.
Ehrlich gesagt, war unser Hausstand ziemlich ausgeräumt. Ein bisschen was zum Anziehen und Spielzeug für unsere Alexandra, (das Topferl dürfen wir nicht vergessen) 2 Klapptischerl und 4 Klappsessel. Fertig!Jetzt standen wir vor dem nächsten Problem. Wie sollte das alles ins Auto reinpassen?
Wir fuhren damals einen Ford Cortina, das Zelt und das Gestänge nahm schon richtig viel Platz weg und für die Oma mußten wir auch noch etwas Stauraum freihalten. Aber da war mein Hermann ein Genie. Er schraubte die Dachträger rauf, das Bettzeug wurde auf die Rücksitzbank verteilt, die Alex draufgesetzt, angeschnallt und los gings.

Alex und die Familienkutsche
Ab zur Oma. Die wuselte ganz verzweifelt in ihrer Wohnung rum und suchte ganz offensichtlich etwas. Sie sagte: "Ich brauch ja auch was, wo ich mich zum Schlafen drauflegen kann und ich finde den....den.....na, wie heißt das noch?....Na den
nicht!"Sie meinte die Luftmatratze. Wir haben so gelacht über den "Gummistrohsack", das vergesse ich mein Lebtag nicht. Wir haben sie beruhigt und von ihrem Gästebett die Matratze ausgebaut und aufs Autodach geschnallt und nun gings ab in den Urlaub.Unser Ziel war Nußdorf am Attersee.
Eine halbe Stunde Autofahrt zum Campingplatz Wiesinger. Den Platz kannte ich, weil ich schon früher ein paarmal mit einer Freundin dort gezeltet hatte.Wir hatten Glück und bekamen einen schönen Platz ganz vorne, nicht weit entfernt vom Buffet und zu den Toiletten. Beim Aufstellen kämpften wir zugegebenermaßen ein wenig mit dem Gestänge, doch um 20 Uhr stand unsere "Villa Kunterbunt" und wir konnten einziehen.


Wie man hier sieht. Meine Oma fühlte sich wohl und war vollkomen entspannt!
Als erstes wurde die größere Schlafkoje für uns und die Alexandra hergerichtet, damit die Kleine endlich ins Bett gehen konnte. Dann schnell im "Extrastüberl" die Matratze für die Oma ausgelegt, weil die war mindestens so fertig wie unsere Tochter.

Alexandra, fix und foxi
Die nächsten Tage waren wirklich Urlaub pur. Das Wetter war schön und die meisten Leute vom Platz kannten schon meine Oma und Alexandra. Die Zwei gingen ständig spazieren, wobei die Alex auf die Oma aufpasste, daß sie nirgends drüberfiel und sie auf die Toilette führte. Meine Oma half dafür der Alexandra auf die Kloschüssel und machte ihr den Hintern wieder sauber. Die Zwei ergänzten sich richtig.

Alex geht mit meiner Oma spazieren
Wir waren schon nach ein paar Tagen mit dem Campervirus infiziert. Uns gefiel diese Art von Urlaub ausgesprochen gut. Da hat man irgendwie immer was zu tüfteln, über Verbesserungen nachzudenken, aufzuschreiben was praktisch wäre und noch fehlt, kann vollkommen ungezwungen seinen Tagesablauf gestalten und bei so einer Gelegenheit sagte meine Oma: "Das Kind braucht Wasser am Platz zum Spielen!" Wir sollten unbedingt ein kleines Planschbecken besorgen. In einem kleinen Sportgeschäft in Nußdorf wurden wir fündig und kauften eine niedliche Schildkröte. Dieses Teil begleitete uns noch viele Jahre überallhin.

unser Schildkrötenplanschbecken
Und noch etwas blieb mir in unvergesslicher Erinnerung.
In dieser Woche wurde die Fußballweltmeisterschaft in Argentinien, Cordoba, ausgetragen. Ich, der große Fußballfan, fragte meine Oma, ob sie uns auf die Alexandra aufpasst, damit wir uns im Campingrestaurant das Spiel Österreich : Deutschland anschauen können. Als wir, kurz vor Spielbeginn, im Buffet eintrudeln ist alles schon gerammelt voll mit deutschen Campern. Ein Pärchen aus Niederösterreich, das Wirtsehepaar und wir gegen ca. 20 deutsche Fußballfans.
Na, bravo! Schon im Vorfeld wurden wir von den Deutschen massiv verarscht, so in der Art: "Was wollt ihr denn? Eure Jungs verspeisen wir zum Frühstück!" Wir wehrten uns tapfer, aber an ein Wunder mochten wir eigentlich auch nicht glauben.
Als es dann kurz vor Spielende 2:2 stand, reduzierten sich die Meldungen der Deutschen schon auf ein erträgliches Maß..............
Und dann. Unser Hanseeeeee schießt das 3:2, der Edi Finger schreit: "Tor, Tooor, Tooooooooor. I wer narrisch!" (Ich auch gleich mit ihm.) Da gab es kein Halten mehr. Die Deutschen kriegten jetzt von uns die Retourkutsche, bis sie mit hängenden Köpfen aus dem Campingbuffet hinausschlichen.
Die nächsten Tage bis zu unserer Heimreise, gab es außer einem kurz angebunden 'Guten Tag' keine Gespräche mehr mit unseren Nachbarn. Die waren total beleidigt. In der Zeitung stand damals: "Deutscher Urlaubsgast in Bad Ischl schmeißt Fernseher aus seinem Feriendomizil, oder deutscher Urlauber wirft seine Ehefrau aus dem Appartment", usw.
Jaja, Hochmut kommt vor dem Fall, und WIR hatten die (leider viel zu seltene) Genugtuung das Ego der Piefke etwas angekratzt zu haben.

Liegewiese, Strand und Campingbuffet Wiesinger
Unser erster Campingurlaub war ein voller Erfolg und wir wußten:
"Das ist genau das Richtige für uns!"