Advent, die stillste Zeit des Jahres

...ist das so??? Oder ist das vielmehr die hektischte Zeit des Jahres?

Wie ist das wirklich? Ich für meinen Teil habe meine Einstellung dazu im Laufe der Jahre grundlegend geändert.

Als ich geheiratet habe, war die Frau für alles was den Haushalt und die Kindererziehung betrifft, hauptverantwortlich. Das war einfach so und wurde schon von jeher von einer Generation zur anderen weitergegeben.

Das hiess im Klartext:
* Zeitgerecht Adventkalender und Adventkranz besorgen oder basteln
* Wohnung vorweihnachtlich schmücken
* Der Weihnachtsputz wurde gestartet (und wehe eine junge Frau machte da nicht mit)
* Das Keksebacken stand ebenfalls im Adventprogramm
* Weihnachtsgeschenke für alle besorgen, die ausserdem nicht zu teuer waren.
* Den Mann (wenn vorgesehen) gutgelaunt zu diversen Weihnachtsfeiern begleiten, und anschliessend die schwankenden Herrschaften nach Hause kutschieren.

Das waren in groben Zügen so die damaligen Pflichten einer Hausfrau und vielleicht hatte das vor 30 Jahren seine Berechtigung. Jedenfalls war es schon damals weder die besinnlichste noch die stillste Zeit des Jahres.

Das Einzige, was man mit damals und heute noch einigermassen vergleichen kann, ist das graue und trübe Schmuddelwetter.

Ich habe im Laufe der Zeit diesen Advent- und Vorweihnachtsstress auf ein erträgliches Mass reduziert. Wie ich das gemacht habe, verrate ich dir hiermit. Kann doch nicht sein, dass wir Frauen am Heiligen Abend vor Erschöpfung in Tränen ausbrechen oder aggresiv unterm Christbaum sitzen.

Begonnen hat meine Aufmüpfigkeit gegen Althergebrachtes eigentlich erst, als meine Töchter flügge wurden und ich auch für die wechselnden Freunde Weihnachtsgeschenke organisierte. Zur allgemeinen Advent- und Weihnachtshektik kommt zur Strafverschärfung noch der Geburtstag meines Mannes am 26. Dezember hinzu.
Die ersten Jahre war es ja nicht tragisch, da ja nur unsere zwei befreundeten Ehepaare am Abend gratulieren kamen und wir gemütlich miteinander feierten. (Die Verwandtschaft war ja schon am Vortag dagewesen.) Auf diesen Tag freute ich mich eigentlich jedes Jahr, denn da war der stressige Advent- und Weihnachtsteil schon gelaufen und ich konnte auch zum gemütlichen Teil übergehen.

Meine erste änderung des vorweihnachtlichen Arbeitsablaufes betraf die Keksbackorgien. Ich fabrizierte gerade die Lieblingskekserl meiner Familie, die "Linzer Augen", aber als Arbeitserleichterung waren meine Kekse "erblindet", was ja dem Geschmack keinen Abruch tat und nur das Aussehen etwas beeinträchtigte. Ausserdem, als zweite Abkürzung des Backvorganges, wurden meine Linzer doppelt so gross ausgestochen als die Jahre zuvor.
Das sollte auch die einzige Eigenkreation sein, die ich dieses Jahr zum Verzehr anbot, da ich auf den diversen Weihnachtsmärkten den braven, backwütigen Standlfrauen deren Machwerke abkaufte.
Nachdem das so gut funktioniert hatte und familienmässig nur geringfügig gemault worden war, konnte das Jahr darauf wieder ein anderer vorweihnachtlicher Stressfaktor in Angriff genommen werden.
Da hatte ich dem Grossputzwahn den Kampf angesagt. Ich sehe einfach nicht ein, dass ich zusätzlich wie a Wilde putzen soll während ich mir beim Keksebacken die halbe Küche einstaube oder mit Teig anschmier. Nebenbei immer mit der Gewissheit, dass ich das ganze Jahr net soviel Besuch bekomm, wie in den Weihnachtsfeiertagen.
Ausserdem muss ich da meiner jüngeren Tochter auch ganz leise beipflichten, (weil laut darf man das ja net vor den Kindern sagen) die einmal auf meine Anordnung, ihr Zimmer ordentlich aufzuräumen, meinte: " Ich wohn doch in keinem Museum!"

Aber nicht, dass jetzt jemand meint, das ist so ruckzuck gegangen, dass der Advent und Weihnachten keine extrastressige Zeit mehr für mich ist. Das hat mindestens 10 Jahre und einige Streitereien gedauert. Seit wir im vorigen Jahr mit den Kindern gemeinsam beschlossen haben, dass wir uns auch gegenseitig nicht mehr grossartig beschenken, sondern nur eine Kleinigkeit im maximalen Wert von 10 Euro unter den Baum zu legen, ist schon wieder ein weiterer Schritt zu einem gemütlichen Weihnachtsfest getan.

Ich für meinen Teil versuche einfach alle Anordnungen, die mit

"ICH MUSS"

beginnen, abzuwandeln in

"ICH DARF, wenn ich will!"


Ich wünsche euch allen noch eine gemütliche Adventzeit und anschliessend ein stressfreies und geruhsames Weihnachtsfest.

Kirche Grünau im Almtal

Diese beleuchtetete Kirche steht in Grünau im Almtal, auch ein schöner Ort im Salzkammergut